Ein Gefühl kommt und geht...wie eine Welle. Das ist die Natur der Gefühle. So wie wir 60-80 000 Gedanken pro Tag denken, so haben wir täglich auch unzählige Gefühle. Die wenigsten davon sind sogar unsere eigenen. Wir schnappen sie irgendwo im Umfeld auf.
Die meisten Menschen nehmen nun das Gefühl und machen es sich zu eigen. Sie sind voll involviert. Sie leiden. Sie bewerten das Gefühl und sagen sich, dass sie sich so nicht fühlen wollen. Oder bei einem positiven Gefühl sagen sie, dass sie sich immer so fühlen wollen.
Und dann wird daraus mit der Zeit eine Geschichte: "Damals habe ich mich immer so gefühlt". "Wenn XY habe ich jahrelang dieses Gefühl gehabt". "Wenn ich erst einmal XY erreicht habe, dann werde ich mich gut fühlen." usw.
Damit halten wir das Gefühl fest. Wie die Buddhisten sagen: wir haften an. Wir identifizieren uns mit dem Gefühl, aber vor allem auch mit der Geschichte.
Die folgende Rechnung wird Dich vielleicht etwas überraschen:
Das Gefühl macht nur ca. 10-15% Deines Leidens aus.
Die Bewertung macht 20-30% aus.
Die Geschichte fast 50%.
Und die Bewertung der Geschichte (z.B. "ich Arme musste das erleben") oder auch die Angst davor, das Gefühl nochmals zu fühlen, verschlimmert Dein Leiden abermals.
Was Du dabei siehst und erlebst ist wie ein Schauspiel. Es gibt hier verschiedene Anteile in Dir, die das Gefühl für sich in Anspruch nehmen und etwas eigenes daraus machen. Der innere Kritiker geht dafür in die Schuld. Das innere Opfer geht in Leid und Scham. Das innere Kind geht in die Verletzung. Der Moralist gibt Handlungsempfehlungen. Und es gibt sicher noch ein paar Stimmen mehr.
Wenn Du nun denkst, dass DU diese ganzen Stimmen BIST, wenn Du ihnen Gehör und Glauben schenkst, dann hast Du am Ende nicht nur EIN Gefühl, sondern ein Gefühls-Chaos von vielen Gefühlen, die wir Emotion nennen. Dann fühlst du Verzweiflung, Schuld, Scham, Verletzung, Unklarheit und Angst und alles zusammen.
Und hier kommt ein wichtiger Impuls für Dich:
Wenn Du Dir nun vorstellst, dass Du einen Schritt zurücktrittst, und diese Stimmen alle auf einer Bühne sprechen lässt und bemerkst, dass Dein wahrer Kern - also Dein Selbst - nur Zuschauer ist, dann kannst Du beginnen, Dich abzugrenzen. Aber nicht aktiv, nicht durch Tun, sondern mit blossem Zuschauen, Beobachten und Gewahrsein dessen, was in Deinem Ego gerade abgeht.
Wir beobachten das auch manchmal im Kino. Du bist vielleicht so sehr vom Film gefesselt und absorbiert, dass Dir zeitweise gar nicht mehr auffällt, dass Du in einem Kino sitzt und dass es nur ein Film ist.
Die Stimmen in Dir sind also NICHT DAS REALE GEFÜHL, sondern das, was Dein konditioniertes ICH darüberlegt und damit macht. Es sind Projektionen, Bewertungen, Interpretationen, Beschuldigungen und vieles mehr. Dein Selbst, das pures Bewusstsein ist, kann durch ein Gefühl nicht verletzt werden. Wenn Du Dich also diesem Selbst, diesem beobachtenden ruhenden Pol in Dir zuwendest, dann zerschneidest Du die Identifikation mit dem Gefühl. Dieser stille Beobachter ist wie ein Stück zurückversetzt, er ist wie ein Zuschauer, oder er ist der Adler, der von oben auf Dich herabblickt. Das Gefühl wird damit schneller verschwinden als Du es für möglich hältst.
Ich empfehle meinen Klienten auch die WASSERFALL-ÜBUNG, um das Gefühl durchfliessen zu lassen. Du stellst Dir vor, wie Du unter einem angenehmen oder kühlen Wasserfall das Gefühl in die Erde abfliessen lässt.
Indem wir das Gefühl weder festhalten noch bewerten, sondern es einfach für den Moment DASEIN LASSEN, kann gesunde emotionale Entwicklung und Verarbeitung stattfinden, denn festgehaltene Gefühle führen zu Körperblockaden. Und mit jedem Mal, wo Du es schaffst, Dich nicht von den Stimmen auf der Bühne fesseln und fangen zu lassen, nährst Du Dein Selbst und vergrösserst Dein Bewusstsein. Diese Neutralität, die hier entsteht, lässt Dich auch für Dein Kind oder Dein Umfeld mehr Empathie empfinden.
Die Wasserfallübung kannst Du auch stellvertretend für Dein Kind machen, wenn es gerade emotional gefangen ist.
Mehr solche Übungen lernst Du in meinen Elterntrainings und meiner Familiencoach-Ausbildung, in der wir die emotionale Balance sehr vielschichtig betrachten und erforschen. Mein Herzkompass-Kartenset hilft Dir dabei spielerisch und sicher in der Navigation durch das Gefühls-Chaos.
Aus der energetischen Perspektive können wir sogar Abdrücke und Speicherungen von Emotionen und Erfahrungen im Energiesystem des Körpers aufdecken und löschen, so dass der Mensch sich wieder freier fühlen kann.
Gefühle
Gefühle wollen gefühlt werden
Sie wollen nichts weiter von dir
Gefühle kommen und gehen
aber wir halten sie fest
Gefühle sind neutral
aber wir legen eine Bewertung darauf
Gefühle sind leise
aber wir machen eine große Geschichte daraus
Jede Bewertung und Geschichte wie ein Knoten der Verstrickung
Der stille Beobachter deines Seins
Er lebt hinter dem Trubel dieser Welt
Und er lehrt dich: Tu einfach nichts!
Beobachte nur und fühle.
Und das Gefühl wird durchfließen, abfließen in die Erde
wie eine Wolke, die vorbeizieht
eine Welle, die kommt und geht
Die Bühne, auf der du meinst so verstrickt zu sein
ist in Wahrheit nur ein Schauspiel,
ein Film, dem du ganz gebannt folgst und mitleidest mit allen Helden
Erwachen heißt zu bemerken
Es ist nur ein Film
und ich bin der Beobachter
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