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Blog für Eltern

Zeigst Du Deine Gefühle? Die Vorbildrolle von Eltern im Umgang mit Emotionen

Gefühle zu erkennen und auszudrücken ist eine kulturelle Leistung – eine Fähigkeit, die Kinder nur durch die Interaktion mit ihrem Umfeld und in sozialer Eingebundenheit lernen. Doch was passiert, wenn in ihrem Umfeld kaum Gefühle gezeigt werden oder nur ganz bestimmte Gefühle erlaubt sind? Die Sozialisation und die Vorbildfunktion der Eltern spielen eine entscheidende Rolle für die Gehirnentwicklung und die Emotionsregulation von Kindern. In diesem Beitrag erfährst Du, wie du deinem Kind einen gesunden Umgang mit Gefühlen zeigst – mit konkreten Beispielen, Anwendungsübungen und Buchtipps für die Erziehung.

EMOTIONENEMOTIONSREGULATIONKOMMUNIKATIONLERNEN BEI KINDERN

Johanna Geiger

10/1/2026

Warum Kinder ihre Gefühle erst lernen müssen

Kinder können ihre Gefühle noch nicht benennen. Wenn es um Gefühlsmanagement und Emotionsregulierung bei Kindern geht, sind sie zunächst auf ihr Umfeld und die Co-Regulation durch ihre Eltern angewiesen.

Erst ab einem Alter von etwa vier Jahren beginnen Kinder, ihre Gefühle zunehmend selbstständig zu regulieren – sich also selbst zu beruhigen und eigene Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Davor brauchen sie ihre Eltern. Und auch in späteren Jahren lernen sie noch unglaublich viel durch die elterliche Vorbildrolle und ein sicheres Umfeld.

Emotionen und Gefühle: Was ist der Unterschied?

Um zu verstehen, wie Kinder Emotionsregulation und Gefühlsmanagement lernen, ist es wichtig, die grundlegenden Begriffe zu klären:

Was sind Emotionen?

Zu den Emotionen gehört das komplette Erleben und Ausdrücken von Gefühlen, Stimmungen und Körperempfindungen – inklusive Mimik, Gestik und Handlung. Oft ist dies für den Betroffenen nicht bewusst und benennbar. Es wird eher als inneres Chaos und Aufgewühltheit wahrgenommen.

Was sind Gefühle?

Von Gefühlen sprechen wir, wenn wir das Empfundene einordnen und ihm einen Namen geben können: zum Beispiel „Da ist Wut… und darunter ist Verzweiflung… und darunter liegt Ohnmacht." Der Emotionsbrei muss also in seine einzelnen Zutaten zerlegt werden.

In meinen Begleitungen lernen Teilnehmende, ihre emotionale Lage zu verstehen, welche Gefühle tatsächlich da sind. Denn das haben die meisten Erwachsenen nie gelernt! Es gibt kein Schulfach „Gefühle", und oft erleben wir negative Emotionen als unangenehm und unerwünscht.

Dann passiert unbewusst das immer gleiche Muster: Etwas in unseren Beziehungen eskaliert. Weil wir Emotionen nicht anschauen, nicht benennen, nicht ausdrücken und nicht aussprechen. Wir verdrängen und versuchen, uns unter „Kontrolle zu halten" – bis es nicht mehr geht und wir einen Ausbruch erleben, den wir überhaupt nicht mehr unter Kontrolle haben.

Besser wäre es, von Anfang an die Gefühle – und seien sie noch so unscheinbar – wahrzunehmen, einzuordnen und zu verarbeiten.

Wut ist ein Deckmantel für andere Gefühle

Wut ist immer ein Deck- und Schutzmantel für andere Gefühle und Emotionen. Wut zeigt uns an, dass der Emotionsdruck zu hoch ist. Wut zeigt auch an, dass es nicht sicher ist, andere Gefühle zu zeigen.

Denn gerade wenn Menschen ihre Verzweiflung, Ohnmacht, Traurigkeit, Angst, Schuld oder Scham zeigen, machen sie sich verletzlich und angreifbar. Evolutionär gesehen ist es keine gute Idee, sich vor dem Gegenüber verletzbar zu machen. Selbst kleine und schwache Tiere versuchen in der Natur, gross und stark oder furchteinflössend zu wirken. Sie faken das – dafür gibt es in der Biologie sogar Namen wie „Mimikry", bei der ein schwaches Tier ein gefährliches Tier nachahmt, wie der Schmetterling, der durch sein Muster eine Hornisse nachahmt.

Es ist daher im Menschen tief verwurzelt, sich nur ganz bestimmten Menschen zu offenbaren und die wahren Gefühle zu zeigen. Das setzt allerdings voraus, dass der Mensch sich mit seinen Gefühlen auseinandergesetzt hat. Denn erst wenn er selbst seine Gefühle verstanden hat, kann er sie mit anderen teilen.

Wenn das engste Umfeld nicht sicher ist

Was passiert jedoch bei einem Kind, das im engsten Umfeld erlebt, dass es nicht sicher ist, bestimmte Emotionen zu zeigen? Selbst wenn das Elternhaus behütet ist, kann es vorkommen, dass dem Kind die zwei wichtigsten Bedürfnisse entzogen oder verletzt werden, wenn es bestimmte Emotionen ausdrückt: der Selbstwert und die Zugehörigkeit.

Typische Beispiele aus dem Erziehungsalltag

Beispiel 1: Angst wird abgewertet
Ein Junge zeigt Angst und möchte nicht ins kalte Wasser vom Beckenrand springen. Der Vater sagt: „Hey, bist du ein Mädchen, oder was?" → Der Junge verliert seine Zugehörigkeit zur männlichen Welt, sein Selbstwert als Junge wird abgewertet.

Beispiel 2: Schmerz wird verboten
Ein Junge verletzt sich und weint. Der Vater sagt: „Jetzt stell dich nicht so an, ein Indianer kennt keinen Schmerz." → Der Junge verliert seine Zugehörigkeit zur „starken" männlichen Welt, sein Selbstwert als Junge wird abgewertet.

Beispiel 3: Traurigkeit wird nicht gesehen
Ein 2-jähriges Mädchen ist traurig, weil ein anderes Kind im Sandkasten sein Spielzeug weggenommen hat. Es hat zudem Angst, das Spielzeug nicht wiederzubekommen. Da reisst es dem anderen Kind das Spielzeug weg. Das andere Kind weint. Die Mutter sagt: „Das ist aber nicht nett von dir, dein Spielzeug nicht zu teilen. Schau mal, das andere Kind weint jetzt ganz doll." → Das Mädchen lernt, dass Angst und Traurigkeit nichts gelten gegenüber dem Wert des „lieb/nett Seins und des Teilens".

Beispiel 4: Eifersucht und Scham werden überspielt
Ein 6-jähriges Mädchen erlebt, dass die beste Freundin plötzlich viel mit einer anderen Schulkameradin unternimmt. Die zwei tuscheln und haben Geheimnisse. Das ausgeschlossene Mädchen fühlt sich einsam. Unter der Einsamkeit fühlt es noch etwas anderes, das im Herzen weh tut: Eifersucht. Ausgeschlossen zu werden ruft aber noch ein drittes Gefühl auf den Plan: Scham. Denn tief im Inneren schämt sich das Kind dafür, nicht so „toll" wie das andere Mädchen zu sein, fallen gelassen zu werden. Es fühlt sich unsichtbar und unwichtig.

Doch bei den Eltern kann es diese Gefühle nicht ausdrücken. Denn wenn die Eltern erfahren, dass ein anderes Mädchen besser ist, werden sie sich ebenfalls schämen – oder? Dann werden sie nicht mehr stolz auf ihre Tochter sein. Also erzählt das Mädchen daheim nur, dass es mit der bisherigen Freundin nichts mehr zu tun haben möchte, dass sie einfach „doof" ist. Und die Eltern lassen es so stehen, denn „Kinder sind nun mal so, sie wechseln in diesem Alter ständig ihre Freundschaften."

So schluckt das Kind die Emotionen herunter und beschliesst, dass es diese schlimmen Gefühle, die so weh tun, nie mehr fühlen möchte. Denn sie erschüttern seinen Selbstwert und die Zugehörigkeit bis ins Mark.

Beispiel 5: Liebeskummer wird belächelt
Ein Teenager hat unglaublichen Liebeskummer, meint fast daran sterben zu müssen, möchte nichts essen und nicht aus dem Zimmer kommen. Die angebetete Freundin hat sich nach 6 Wochen getrennt und flirtet jetzt mit einem anderen. Die Eltern bekommen das mit und verkneifen sich ein Lachen: „Ja, das sieht erstmal schlimm aus, aber glaub mir, du wirst noch viele Beziehungen haben. Liebeskummer vergeht mit der Zeit."

Was Kinder stattdessen brauchen

Die Gefühle zu benennen, sie aufzudröseln und offen vor sich hinzulegen, darüber zu sprechen – in einem liebevollen, offenen, neutralen (nicht-wertenden) Raum – wäre die Voraussetzung dafür, dass Kinder sich mit ihren Gefühlen sicher fühlen können. Und dass sie lernen, gesund damit umzugehen, anstatt sie zu verstecken, zu verdrängen, herunterzuschlucken oder abzuschneiden.

Ein sicherer Raum: Was ist das?

Schauen wir uns genauer an, was ein sicherer Raum für Gefühle bedeutet:

1. Das Kind wird in seinen Gefühlen ernst genommen

Es wird nicht ausgelacht, nicht als unwichtig abgewertet. Den Gefühlen des Kindes wird Aufmerksamkeit und Präsenz geschenkt, ihm wird aktiv zugehört.

2. Das Kind erfährt einen neutralen, objektiven Raum

Jede Be- oder Abwertung ist fehl am Platz. Wenn es um die Gefühle geht, darfst Du Dir als Elternteil vorstellen, Du wärst ein Therapeut. In einem therapeutischen Setting geht es nicht darum, Meinungen auszutauschen. Es geht darum, alles was da ist, alles was fühlbar ist und gedacht wird, in einer Allparteilichkeit oder Neutralität auf den Tisch zu bringen und zu hören.

3. Das Kind darf Tränen, Schwäche und Verzweiflung zeigen

Alles darf da sein, und Du musst das als Elternteil aushalten können. Es ist Deine Aufgabe, den Raum dafür zu halten. Du darfst Anteil nehmen, Du darfst Dein Kind liebevoll berühren oder ihm ein Taschentuch reichen. Aber lass Dein Kind alle diese Emotionen fühlen und ausdrücken, ohne dass Du mit ins Drama fällst.

4. Ein sicherer Raum ist ein Ort zum Lernen und Ausprobieren

Dein Kind darf hier erforschen, was ihm in bestimmten emotionalen Zuständen hilft und wie es diese ausdrücken möchte. Es ist noch am Lernen! Und Du kannst Deinem Kind dabei Hilfestellung geben: gemeinsam tief atmen, eine Kissenschlacht machen, ein Bild malen, traurige Musik hören, tönen und schreien. Du bist ausserdem Helfer dabei, die Emotionen zu benennen und ihnen einen Namen zu geben. Sprich aus, was Dein Kind fühlen könnte. Dein Kind wird dadurch mehr und mehr lernen, seine Gefühle selbst zu benennen.

Ohne elterliche Gefühle geht es nicht

Ein wichtiger Punkt ist das Gefühle-Zeigen der Eltern. Du hast das vielleicht selbst schon beobachtet: In einer Gruppe, die vertrauenswürdig und authentisch ist, traust Du Dich, Deine Gedanken und Gefühle zu teilen. Das ist zum Beispiel bei engen Freunden der Fall, die sich lange und gut kennen.

In einem beruflichen Kontext, in dem keiner seine wahren Gedanken und Gefühle offenbart, sondern eher „Spiele zum eigenen Vorteil" gespielt werden, würdest Du Dich wahrscheinlich kaum offenbaren. Denn nur wenn Dein Gegenüber sich verletzlich zeigt, kannst Du das auch tun.

So geht es auch den Kindern. Wenn Eltern authentisch sind und ihre Gefühle ausdrücken, dann trauen sich die Kinder auch, sich verletzlich zu zeigen.

Und dieses Sich-Zeigen hat noch einen Vorteil: Du bist ein Vorbild für Deine Kinder. Wenn Du Deine Gefühle und Emotionen benennst, dann lernt Dein Kind das ganz automatisch von Dir. Und auch, wie Du mit Deinen Gefühlen umgehst – gesund oder ungesund – schaut es sich von Dir ab.

Beispiele für authentisches Sprechen über Gefühle

  • „Ja, ich muss gerade weinen. Ich bin einfach traurig, weil…"

  • „Ich bin gerade so frustriert, weil heute alles schiefgeht. Deshalb kann ich gerade nicht so ruhig sein wie sonst."

  • „Heute habe ich ein Chaos in mir. Ich fühle mich heute nicht wie ich selbst. Deshalb brauche ich etwas Zeit für mich."

  • „Ich bin gerade richtig wütend, dass du mir die ganze Zeit widersprichst und die Grenzen überschreitest. Aber am meisten wütend bin ich auf mich, denn ich fühle mich hilflos."

Wenn Du diese Sätze liest, merkst Du, welche Bewusstheit und Achtsamkeit es von Dir als Elternteil erfordert, so zu agieren. Es erfordert, dass wir als Eltern in unserer sozialen Reife bleiben und nicht in unser trotziges Kind-Ich abrutschen. All diese schmerzhaften Resonanzen müssen wir erst in uns selbst aufgreifen, fühlen und bewältigen, wenn wir authentisch, frei und klar über Gefühle sprechen wollen. Es braucht die Fähigkeit, auf einer Meta-Ebene bleiben zu können, obwohl wir den Schmerz in uns fühlen.

Erste hilfreiche Schritte im Gefühlstraining

Ich möchte Dir Mut machen: Selbst wenn Du jetzt noch kein Gefühlsexperte in Sachen eigener Gefühle bist, kannst Du zwei ganz entscheidende Dinge für Dein Kind tun. Du bist NICHT MACHTLOS!

Botschaft 1: Emotionen wollen zu Ende gefühlt werden

Hör auf, Emotionen klein zu reden, abzuwerten, Dein Kind davon abzulenken oder ihm ein Gefühl zu verbieten. HALTE NUR DEN RAUM, bis das Gefühl des Kindes von selbst abflacht.

Wie machst Du das?

  1. Sei mit Deiner Präsenz voll und ganz bei Dir und in Eurem Beziehungsraum: Fühle Deinen Körper und fühle Dein Kind. Halte den Raum zwischen Euch.

  2. Atme alle Emotionen stellvertretend für Dein Kind in die Erde aus. So lange, bis es im Kind ruhiger wird. Bleibe dabei NEUTRAL!

  3. Wenn das Kind ruhiger wird, kannst Du eine Berührung, eine Hand, eine Umarmung anbieten.

Botschaft 2: Emotionen sollen gesund verarbeitet werden

Selbst wenn Du nicht genau weisst, was hinter Deinem Emotions-Chaos steckt, gewöhne Dir an, das, was Du fühlst, auf gesunde Art und Weise zu verarbeiten. Denn hier bist Du ein wichtiges Vorbild für Deine Kinder.

Ungesunde Emotionsregulierung:

  • anderen die Schuld geben und sie anschreien

  • sich in Süchte flüchten: Alkohol, Zigaretten, Medien

  • zu viel essen oder gar nicht essen

  • Emotionen runterschlucken und verstecken

  • eine Maske aufsetzen und so tun, als würde es Dir gut gehen

Gesunde Emotionsregulierung:

  • Natur: Spazierengehen, Fahrradfahren

  • Sport treiben

  • Kommunizieren

  • Singen

  • Bewusstes Atmen

  • Schreiben / Journaling

  • Weinen

Botschaft 3: Emotionen brauchen beständige Aufmerksamkeit

Damit meine ich, dass wir anfangen, uns zu beobachten und auch kleine Gefühlsverstimmungen wahr- und ernstzunehmen. Denn in aller Regel gehen Menschen darüber hinweg: Sie reden sich ein, dass das nicht wichtig ist, nicht gross genug, dass sie funktionieren müssen. Und erst wenn es zum Ausbruch kommt und das Fass bereits überläuft, reagieren sie.

Aber beim Kochen würdest Du ja auch besser vorher den Herd herunterschalten, bevor die Suppe überkocht, oder?

Übung: Stimmungstagebuch
Führe für 2-4 Wochen ein Stimmungstagebuch, um Dich besser kennenzulernen. Achte darauf, was Dir gut tut und was Deine Stimmung beeinflusst.

Übung: Bewusstes Atmen
Gehe achtsam mit allen Gefühlen um und agiere bewusst: Atme alle Stimmungen, alles Chaos, alle benennbaren Gefühle in die Erde aus. Wiederhole für 5 tiefe Atemzüge.

  • Deine Chefin kritisiert Dich? Atme.

  • Dein Kind widerspricht Dir? Atme.

  • Deine Mutter macht Dir Vorwürfe? Atme.

  • Dein Partner schenkt Dir heute zu wenig Beachtung? Atme.

Atmen und wahrnehmen, mit Deiner ganzen Präsenz, ist der Grundstein für die Emotionsregulierung. Das bedeutet: Punkt eins gilt auch für Dich! Fühle Deine Gefühle und fühle sie zu Ende.

Botschaft 4: Hinter Emotionen verbergen sich Bedürfnisse

Immer, wenn Du (oder Dein Kind) sehr emotional wirst, kannst Du Dich fragen, welches Bedürfnis gerade unerfüllt ist. Denn Gefühle haben eine Botschaft für uns.

  • Fühlst Du Dich unsicher → wünschst Du Dir Sicherheit und Vertrauen

  • Fühlst Du Dich ohnmächtig → wünschst Du Dir Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung

  • Fühlst Du Dich einsam → wünschst Du Dir Zugehörigkeit, Verbindung oder Unterstützung

Wenn das Bedürfnis klar ist, kannst Du viel besser in die Handlung gehen! Was kannst Du konkret tun, um Dir dieses Bedürfnis jetzt selbstverantwortlich zu erfüllen? Auf diese Weise verlässt Du den Opfermodus.

Botschaft 5: Hinter Emotionalität verstecken sich Glaubenssätze

Hinterfrage, welche nicht-dienlichen Glaubenssätze Du mit Emotionalität verbindest:

  • „Gefühlsduselei führt zu nichts."

  • „Gefühle machen schwach."

  • „Gefühle nehmen mir meine Souveränität."

  • „Männer dürfen nicht weinen."

  • „Ich muss immer stark sein."

  • „Der Starke gewinnt."

  • „Gefühle sind unkontrollierbar."

  • „Mach Dich niemals angreifbar."

Ersetze sie durch neue Gedanken:

  • Gefühle zeigen mir, was mir wichtig ist und was ich gerade brauche.

  • Gefühle haben einen Sinn, sonst gäbe es sie nicht.

  • Wut zeigt mir, dass meine Grenzen überschritten sind.

  • Wut zeigt mir, dass ich Sicherheit brauche.

  • Gefühle zeigen mir, dass ich mich um mich selbst kümmern darf.

  • Eine Gefühlswelle dauert nur 90 Sekunden.

  • Gefühle verbinden mich mit anderen Menschen.

  • Gefühle machen mich menschlich und integer.

Hinterfrage auch bisherige Bewältigungsstrategien, die nicht mehr funktionieren:

  • mauern

  • herunterschlucken

  • verdrängen

  • vermeiden

  • ablenken

  • schauspielern

Botschaft 6: Emotionen brauchen Selbstverantwortung – aus dem Erwachsenen-Ich

In der Emotion landen wir häufig in einem alten Schmerz aus der Kindheit, der uns nicht bewusst ist. Dann führt das zu unangemessen Über-Reaktionen, die auch Dein eigenes Kind erschrecken können oder ihm die Schuld zuschieben.

Bleibst Du im Erwachsenen-Ich, kannst Du angemessen und selbstverantwortlich reagieren. Das ist sehr wichtig für Dein Kind – sowohl für seine psychische Gesundheit als auch für sein eigenes Lernen.

Ein Beispiel: Welchen Einfluss hat es auf Dein Kind, wenn Du Dich als Opfer Deiner Emotionen und Deiner Situation siehst und dem Umfeld die Schuld gibst? Und welchen Einfluss hat es, wenn Du besonnen bleibst, Deinen Anteil siehst und das Beste aus der Situation machst?

Gefühle lernt man gut im nicht-emotionalen Zustand

Da das menschliche Gehirn im emotionalen Zustand die Tendenz hat, den Neokortex abzuschalten und den Fight-or-Flight-Modus zu aktivieren, sind Kinder in einem emotionalen Chaos oft überhaupt nicht mehr zugänglich (und Erwachsene oft auch nicht). Entsprechend schwer ist es, in einer emotionalen Situation über die Gefühle zu sprechen.

Aber NACH DER SITUATION ist das oft sehr gut möglich. Sprecht also danach, wenn das Kind wieder ruhig und zugänglich ist, über das, was das Kind gefühlt hat und was sich unter der Wut gezeigt hat. Diese nachträgliche Verarbeitung wird übrigens auch bei Traumata angewandt. Es verknüpft die richtigen Synapsen im Gehirn, um das Geschehene und Erlebte einzuordnen, einzuschätzen und zu verarbeiten.

Abstrakte Situationen zum Lernen nutzen

Auch abstrakte Situationen eignen sich zum Lernen von Gefühlen:

  • Puppen-Rollenspiele

  • Kinderbücher und Hörbücher

  • Wertvolle Filme

  • Projekte in der Schule zum Umgang mit Gefühlen

  • Materialien zur Gewaltfreien Kommunikation (GfK)


Auch Achtsamkeitstechniken helfen dem Kind bei der Emotionsregulierung. Denn sie trainieren das Nervensystem darauf, den „Kurzschluss" zu verhindern. Sie helfen auch, Emotionen schneller und gesünder zu verarbeiten, z.B. über Atemtechniken. Kennst du schon mein Album "Energetische Meditationen für Kinder"?

Fazit: Gefühle als Superkraft

  1. Emotionen sind weder gut noch schlecht – sie sind einfach. Und sie haben eine Funktion. Wer alle Gefühle annehmen kann, lebt ganzheitlicher und insgesamt leichter und glücklicher.

  2. Du hast einen grossen Einfluss darauf, ob Dein Kind lernt, konstruktiv mit Emotionen umzugehen. Aktiviere Deine Selbstwirksamkeit! Im Grunde geht es um das JA ZU DEN EIGENEN GEFÜHLEN. Du darfst gefühlsbetont leben und Dich FÜR Gefühle entscheiden, weil sie das Leben bereichern und die Weiterentwicklung vorantreiben – solange wir GESUND und ANGEMESSEN mit Gefühlen umgehen.

  3. Emotionsregulierung ist eine soziale Leistung, die mit kommunikativen Fähigkeiten, Empathie, Bewusstheit und der Offenheit für sich selbst zu tun hat. Kulturelle und gesellschaftliche Narrative und Normen können diese Leistung gefährden, indem sie Nettigkeit, Altruismus oder Funktionalität überbetonen. Auch weibliche und männliche Bilder transportieren Werte, die der gesunden Impulskontrolle oft im Weg stehen. Vielleicht möchtest Du diese Themen für Dich bewegen und Deine eigene Sozialisation hinterfragen. Das ist immer wertvoll, um die eigenen Kinder bewusst „anders" zu begleiten.

Melde Dich gerne, wenn Du das Gefühl hast, dass Du hier Unterstützung und Weiterentwicklung wünschst.

Kinderbuch-Tipps zur Emotionsregulation

  • Rita Diepmann: Das Gefühle-Mitmachgeschichten-Buch für Kinder

  • Hannah Spatz: Zwischen Wut im Bauch, Mut im Herzen und Angst im Kopf

  • Martha Wirtenberger: Auch Tiger sind mal ängstlich

  • Emma Lenders: Die Gefühlsmonster-Bande – Gefühle-Buch für Kinder

  • Eda Gürsoy, Julia Cammann: Du bist gut, auch bei Wut!

  • Sabine Wittemeier: Greta und die Giraffensprache

  • Daga Baer: Gefühle sind deine Superkraft

Kartensets

  • Bildergeschichten – Gefühle: Für 3- bis 8-Jährige

  • Gefühlskarten für Kinder [30 Karten + Erklärtexte]

Für Grundschulkinder und Teenies

Häufige Fragen (FAQ)

Wie lernen Kinder, ihre Gefühle zu regulieren?

Kinder lernen Emotionsregulation durch Co-Regulation mit ihren Eltern. Ab etwa vier Jahren beginnen sie, ihre Gefühle zunehmend selbstständig zu regulieren. Vorher sind sie auf die Unterstützung und Vorbildrolle ihrer Bezugspersonen angewiesen.

Warum ist die Vorbildrolle der Eltern so wichtig?

Eltern sind das wichtigste Vorbild für ihre Kinder. Wenn Eltern ihre eigenen Gefühle authentisch benennen und gesund verarbeiten, lernt das Kind automatisch denselben Umgang. Kinder orientieren sich an dem, was sie sehen – nicht an dem, was ihnen gesagt wird.

Was kann ich tun, wenn mein Kind starke Wut zeigt?

Wut ist oft ein Deckmantel für andere Gefühle wie Verzweiflung, Ohnmacht oder Angst. Halte den Raum, bleibe neutral und präsent. Atme bewusst. Sprich NACH der Situation mit Deinem Kind über die Gefühle unter der Wut.

Wie kann ich meinem Kind den gesunden Umgang mit Gefühlen beibringen?

Nutze Alltagssituationen, Kinderbücher, Rollenspiele und Achtsamkeitstechniken. Benenne Deine eigenen Gefühle. Schaffe einen sicheren Raum, in dem alle Gefühle erlaubt sind. Und vor allem: Lebe vor, was Du Deinem Kind beibringen möchtest.

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