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5 Anzeichen dafür, dass deine Sensitivität Folge einer Bindungsverletzung ist

 

  1. Du hast gelernt, deine Umwelt ganz genau wahrzunehmen und abzuscannen auf emotionale Befindlichkeiten. Du nimmst jedoch nicht nur wahr, sondern im Hintergrund läuft eine ständig erhöhte Wachsamkeit. Dein Nervensystem ist immer in einem leichten Alarmzustand. Du erkennst das daran, dass es dir eben nicht egal ist, wie andere drauf sind, sondern dass du dich dafür verantwortlich fühlst. Du hast gelernt, das  harmonisierende und ausgleichende Bindeglied zu sein zwischen verschiedenen Familienmitgliedern.
    Jemand ist schlecht drauf? Dann tust du alles dafür, damit es ihm besser geht.
    Jemand in deiner Umgebung hat ein Problem? Dann tust du alles dafür, um ihm zu helfen, dieses Problem zu lösen. Vielleicht machst du es sogar zu deinem eigenen.
    Das sensitive und hellhörige wahrnehmen, gepaart mit einer Über-Verantwortlichkeit ist oft eine Folge von Bindungsverletzungen in der Kindheit. Diese Erlebnisse müssen nicht schockierend oder total schwerwiegend gewesen sein. In den wenigsten Fällen geht es hier um offensichtlichen Missbrauch, meist fallen diese Erlebnisse eben gar nicht ins Auge, dennoch wird die Bindung und die Präsenz des Erwachsenen für das Kind nicht sicher und zuverlässig erlebt. Es geht hier um Fälle, in denen die Eltern zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind, viele eigene Probleme oder Ängste haben, überfordert sind oder sehr unsicher in ihrer elterlichen Führung und oft selbst unverarbeitete Themen und Bindungsverletzungen in sich tragen. Dies kann dazu führen, dass das Kind in die Führung geht und sich Kontrollmechanismen aufbaut, die starr sind und vermeintliche Sicherheit geben. Das Kind fängt an, Verantwortung zu übernehmen, die eigentlich zu den Eltern gehört. Das Kind kontrolliert sich selbst und sein Umfeld (durch ständiges Beobachten und Wachsamkeit), weil Vertrauen, Bindung, echte Liebe und Sicherheit als Basis der Erziehung nicht ausreichend vorhanden sind.
  2. Aus Nummer eins ergibt sich, dass es dir sehr schwer fällt, es auszuhalten, dass in deiner Umgebung Konflikte und Disharmonie herrschen oder dass es Menschen in deinem Umfeld nicht gut geht. Diese Abgrenzung zu anderen Menschen fällt dir sehr schwer und führt mitunter dazu, dass du Symptome für andere Menschen trägst, Gefühle an ihrer Stelle verarbeitest oder auch ausdrückst. Du wirst zum Kümmerer für die anderen. Dafür erhältst du im Gegenzug ihre Anerkennung und Wertschätzung. Und so koppelt sich ganz subtil und schleichend dein Selbstwertgefühl ans Aussen, an das was du anderen gibst und wie sie dich benutzen für ihre Energie. Du gibst deine Energie ins Aussen und bekommst dafür Anerkennung und Zugehörigkeit. Ein unbewusster Deal, der verhindert, dass du Nein sagen kannst, dir Selbstfürsorge erlaubst oder Grenzen setzt. So fängt ein unsichtbarer Raubbau an deinen eigenen Kräften an. 
  3. (Hoch-)sensible Menschen mit Traumata Erfahrungen haben fast immer ein fixes Mindset. Das liegt daran, dass sie sich Fehler nicht verzeihen können und nicht erlauben. Ihre Über-Verantwortlichkeit in der Kindheit führte dazu, dass sie überfordert waren und dass es ihnen nicht gelungen ist, die Disharmonie, die Konflikte und die Probleme damals für ihre Eltern zu lösen. Dies hat auf unbewusster Ebene ein subtiles Gefühl von Unzulänglichkeit, Schuld und Versagen hervorgerufen, weswegen diese Menschen sich auch im Erwachsenenalter oft nicht zutrauen, etwas Neues auszuprobieren, ihre Grenzen zu sprengen, aus dem Rahmen zu fallen und Fehler als Entwicklungschancen zu sehen. 
  4. Aus all diesen Punkten ergibt sich ein mangelndes Selbstwertgefühl, das in einem sogenannten Imposter-Syndrom enden kann. Damit ist gemeint, dass Menschen zwar oft sehr talentiert und kompetent sind, sich selbst aber in einem ganz anderen Licht sehen. Von außen betrachtet, läuft alles perfekt doch innerlich fühlen sie sich unzulänglich, nicht gut genug, nicht kompetent genug. Sie fühlen sich als Hochstapler und haben Angst, dass ihre Fassade einbrechen könnte. Das Fremdbild stimmt nicht mit dem Selbstbild überein, denn das Selbstbild hängt immer noch in der Vergangenheit in der frühen Kindheit, in der sie sich überfordert, in ihrer Selbstwirksamkeit untergraben gefühlt haben und die Probleme ihrer Umgebung nicht lösen konnten. Sie fühlen in sich immer wieder dieses ohnmächtige Kind-Ich, während ihr Umfeld das kompetente Erwachsenen-Ich sieht. Eine innere Diskrepanz entsteht, die innerlich unsicher und unglücklich machen kann.
  5. Charakteristisch ist auch ein überaktiver Verstand, ein überaktives Nervensystem (oftmals einhergehend mit Hormon-Dysbalancen), innere Unruhe und die Entwicklung von Ängsten. Die Merkmale werden schnell als neurodivergente Anzeichen gesehen, während sie manchmal einfach Folge dieser frühkindlichen Bindungsstörung sind. 

 

 

Die Entwicklung von Neurodivergenz ist von frühkindlichen Entwicklungs- und  Bindungstraumata nicht zu trennen.
Eine in sich ruhende, klare, selbstwirksame  erwachsene Bezugsperson, die sich in ihrer ganzen Präsenz und Liebe dem Kind zuwendet, ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass das Kind Selbstwert, Selbstvertrauen, gesundes Körpergefühl, Anbindung und natürliche Intuition entwickeln kann.

 

 

Findest du dich in den oben genannten Punkten wieder?
Dann lässt sich daran arbeiten. In meiner Begleitung und auch in meiner Ausbildung zum Integrativen Familiencoach kannst du lernen, dein inneres Kind im Nachhinein liebevoll zu begleiten, zu unterstützen und dein  Erwachsenen-Ich von diesem inneren Kind zu trennen. Du lernst ein neues Mindset kennen (Growth Mindset), dass dir hilft, mit Fehlern, Ängsten und mangelndem Selbstwert anders umzugehen. Du lernst außerdem,  Über-Verantwortlichkeit und Schuld abzugeben, deine Grenzen zu setzen und und klar zu unterscheiden, welche Aufgaben, Gedanken und Gefühle zu dir gehören und welche nicht. Dieser Weg, sich nicht mehr für alles verantwortlich zu fühlen, andere dort stehen zu lassen, wo sie sind, Dysharmonie auszuhalten und den eigenen Lebensweg zu gehen, kann sehr heilsam sein.
Mehr zum Thema findest du zum Beispiel bei Gabor Maté.

 


In vielen meiner Blogbeiträge und Podcasts findest du Hinweise auf Manipulationen in der Erziehung, die ganz oft unbewusst, subtil und sogar gut gemeint sind, z.B.:

  • Beeinflussung von Gedanken und Gefühlen
  • Benutzen der Kinder für eigene Gefühle von Einsamkeit/Leere oder Bedürfnisse (Gebraucht werden, geliebt werden)
  • Kindern den eigenen geplatzten Lebenstraum aufdrängen 
  • Kindern einen Lebensweg vorzeichnen, der nicht aus ihrem Inneren kommt
  • Kinder auf Leistung trimmen
  • Kinder zwingen, sich an die eigene übertriebene Arbeits-Freizeit-Taktung anzupassen
  • Kindern Schuld zuschieben oder eigene Themen auf sie projizieren
  • Kinder in Trennungsprozessen benutzen, um den/die Ex-Partner:in zu ärgern/auszuspielen
  • Hilfe aufzwängen und übermässig Kontrolle ausüben
  • Kinder optimieren wollen
  • Kinder in einer Opferrolle sehen und halten ("der Arme") und mitleiden
  • sich für die eigenen Kinder schämen
    usw.

Ich habe es schon oft betont: meistens tun wir diese Dinge aus Liebe. Es ist uns nicht bewusst, dass wir damit Kinder manipulieren und manchmal ihren Lebensweg sehr blockieren. Erziehung ist in erster Linie Konditionierung und wir sind alle selbst geprägt von Mustern unserer Kindheit. Erst die Bewusstwerdung über all diese Mechanismen hilft uns, Konditionierung abzulegen und für die eigenen Kinder zu verändern, damit sie freier aufwachsen und sich entfalten können.

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Das PDF mit Test zu ersten Anhaltspunkten, sowie Impulsen für den Alltag, findest du HIER.

 

 

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