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Hochsensible Kinder stärken und unterstützen

Dieser Artikel erschien im Elternmagazin "Mit Kindern wachsen" in der Januar-Ausgabe 2026.

Ist Hochsensibilität Fluch oder segen?

 

Je nachdem, wie man es betrachtet und damit umgeht. Wie können wir sie zu einem Segen werden lassen? Indem wir Kinder in ihrer Sensibilität, spirituellen Wahrnehmung und Einzigartigkeit unvereingenommen und von Herzen wahrnehmen, damit sie ihre Essenz wirklich entfalten können. Nur, wenn Kinder in ihrer Essenz nicht erkannt, sondern in Schablonen von "normal" gepresst werden, wird ihre Sensibilität zu einer Art Fluch, denn sie leiden – und mit ihnen ihr ganzes Umfeld.

 

In meinen Begleitungen erlebe ich, dass fast alle Kinder, deren Eltern zu mir kommen, eine hohe Sensibilität mitbringen. Bei Überforderung verlieren sie schnell an Fokus und Präsenz, werden müde, erschöpft, quengelig, unaufmerksam oder verlieren sich in Tagträumen. Durch ihre hohe Wahrnehmung und die komplexere Verarbeitung von Informationen übernehmen sie schnell Emotionen, Verantwortlichkeiten und Fremdenergien aus ihrem Umfeld, die dann wiederum Stress in ihrem System auslösen: es kann dann zu emotionalen Ausbrüchen, Bauchweh, Erschöpfung, Appetitlosigkeit oder Schlafstörungen kommen.


Wenn die Symptome zunehmen und die Eltern sich nicht mehr zu helfen wissen, führt das im Familiensystem zu Ratlosigkeit und Frustration. Ich ermutige alle Eltern, sich an diesem Punkt Hilfe zu holen, um die Gabe und die Möglichkeiten hinter der Hochsensibilität zu entdecken. Und das bedeutet für Eltern manchmal auch zu erkennen, dass sie selbst hellsinnig oder sehr sensibel sind – ein Geschenk, das sie erst einmal annehmen dürfen. Der Blick zurück in die Kindheit verrät dann vieles und macht es klarer: "Damals habe ich mich für alle verantwortlich gefühlt." – "Ich hatte einen imaginären Freund." - "Ich konnte mit meinem Opa sprechen, obwohl er schon tot war." - "Ich habe mich nach der Schule immer wie ausgelaugt gefühlt." - "Irgendwie kam ich mir immer etwas anders vor." Solche und ähnliche Dinge erzählen dann viele Eltern.


Hochsensibilität bedeutet eine große Feinfühligkeit, starke Wahrnehmung von Stimmungen und Gefühlen im Umfeld, Überempfindlichkeit der Sinnesorgane (gegenüber grellem Licht, Geräuschen und Gerüchen) und eine hohe Ablenkung bzw. Überforderung bei hoher Reizdichte. Die Hellsinne sind oft stärker ausgeprägt. Kinder, die hochsensibel sind, entwickeln oft sehr früh eine sehr gute Beobachtungsgabe, um ihr Umfeld einzuschätzen und Zwischentöne wahrzunehmen. Sie gelten daher oft als einfühlsam und emotional und haben einen Blick für das Detail.

 

Je nach frühkindlicher Strategie sind manche introvertiert, andere orientieren sich sehr am aussen. 
Manchmal scheint es so, als wären sie nicht von dieser Welt. Und da ist auch was dran, denn diese Seelen werden häufig mit einem erweiterten Bewusstsein geboren und haben die Gabe, in anderen Welten und Dimensionen unterwegs zu sein – mit besonderer Kreativität und Phantasie. Unsere lineare Welt der Struktur, der Ziele und Ergebnisse, der Rationalität und Anpassung ist für sie fremd und sie tun sich daher oft sehr schwer, in unseren Systemen zu „funktionieren“. Während Kinder in der Kleinkindbetreuung sich noch weitgehend ihren Welten widmen dürfen, fangen die Probleme mit der Einschulung dann meistens an. Denn hier wird Struktur, lineare Zeit-Raum-Orientierung, Selbstorganisation, zielorientiertes Arbeiten und Rationalität gefordert. Eltern wünschen sich dann, dass ihr Kind sich gut in diese Systeme und Anforderungen eingliedert.

 

hochsensibilität ist keine krankheit

 

Eines muss gleich zu Anfang klar sein: Wir können und wollen diese Kinder nicht therapieren, um sie systemkonform zu machen. Hochsensibilität ist nichts, was wegtherapiert werden kann oder muss. Es ist keine Krankheit. Systemkonformität wäre eine Konditionierung und Anpassung, in der das Kind sich verbiegen muss.
Es darf vielmehr darum gehen, Kinder darin zu unterstützen, die Welt spielerisch und mit Freude zu entdecken und sich in ihr zurechtzufinden. Eltern sind in diesem Sinne für ihre Kinder Reiseführer und Guides, so wie wenn wir in ein völlig fremdes Land gingen und dort einen Tourguide buchen, um uns zurechtzufinden. Dieser Guide erklärt uns dann die kulturellen Gepflogenheiten, lebt uns vor, wie er mit den Menschen spricht, wie gegessen wird usw. 


Für Hochsensible gilt es, ihre Gaben sinnhaft zu nutzen, sich nicht zu verbiegen, sich nicht in ihrem Wesen zu verleugnen. Sie dürfen lernen, sich kreativ und frei zwischen den beiden Welten zu bewegen.

 

Weder die Verleugnung der Sensibilität, die oft zu einer Überrationalisierung führt, noch die Überbetonung ist sinnvoll

 

Stabilität zu finden, trotz und wegen der Feinfühligkeit, das ist der stimmige Weg und er braucht Zeit. Denn dieser Weg erfordert, dass das Kind auf dem Weg zum Erwachsenen, sich immer besser kennenlernt.

 

Da die meisten Kinder nicht von früh auf lernen, wie sie mit Stress, Fremdemotionen und ihren Wahrnehmungen umgehen können, und was sie brauchen um Stabilität aufzubauen, legen sie sich oberflächliche Bewältigungsstrategien zu, um die Feinfühligkeit zu deckeln oder nicht mehr zu spüren: z.B. Verleugnung der eigenen Fähigkeiten, Verweigerung jeglicher Leistung/Anpassung, Bindungsangst, Impulsivität, hohe Überanpassung, Leben in Illusionen und falschen Vorstellungen über sich und die Welt, Überrationalität etc.
Diese Strategien führen dazu, dass der Zugang zur Emotionalität, zur Feinfühligkeit und zu den Hellsinnen im Erwachsenen oft ganz versperrt ist. Man lebt das Leben eines anderen, aber es fühlt sich immens anstrengend an. Man fühlt sich falsch, man fühlt sich nicht gesehen, man fühlt sich erschöpft - und das führt in Resignation oder Wut. Viele haben einen Leidensweg hinter sich, bis sie erkennen, dass ihre Sensibilität, und der richtige Umgang damit, der Schlüssel in ihr Potenzial ist.

 

durch achtsamkeit, weite und integrität gelingt es, den raum für potenzial frei zu machen. Wie können Eltern diesen raum öffnen?

 

Es braucht von Anfang an einen systemkritischen Blick und das Hinterfragen von automatisierten Grundannahmen in unserem Denken, die tief durch unsere eigene Sozialisation und Schulerfahrung geprägt sind. Systeme streben immer Funktionalität und Komplexitätsreduktion an: indem wir alle in eine Norm pressen, wird es im System möglich, einfacher zu führen und zu organisieren. Einzigartigkeit und Eingehen auf individuelle Bedürfnisse ist aus Systemperspektive ein Störfaktor. 


Wir müssen als Eltern Systeme wie Schule nicht komplett negieren oder in den Kampf mit ihnen gehen. Aber wir dürfen einen kritischen Blick darauf werfen und verstehen, wie Systeme funktionieren, welche Schwachstellen sie haben, warum sie konditionieren und manipulieren - um dann aus diesem Spiel auszusteigen. Dieser Ausstieg findet erst einmal in Kopf und Herz statt. Wir stellen unsere Energie dem System nicht mehr zu Verfügung - weder in Form von Ärger, noch in Form von Unterstützung oder Commitment. Wir suchen und finden in Ruhe, Achtsamkeit und zum höchsten Wohl unserer Kinder neue Wege: das kann bedeuten, eine freie Schule zu wählen ebenso wie aus der Zielorientierung der „guten Noten“ auszusteigen. Wir lassen uns also nicht mehr vom System „verrückt machen“.

Der nächste Schritt ist, die eigene Verantwortung anzunehmen, mit all den Herausforderungen, die sich zeigen. Das Kind annehmen in seinem So-Sein. Die Situation annehmen, wie sie ist (anstatt sich ein „anderes“ Kind zu wünschen). Es geht um den selbstwirksamen Umgang damit. Viele Eltern verharren zunächst in der Opferrolle und projizieren vieles auf ihr Kind: es ist „falsch“ und soll sich verändern. Es soll bemühter, fleißiger, effektiver, strukturierter, belastbarer, angepasster, ruhiger werden. Diese Schuldperspektive kann nicht der Weg sein.

 

Stattdessen dürfen Eltern lernen, Verantwortung zu tragen:

Dein Kind übernimmt Emotionen vom Umfeld? Dann begleite dein Kind dabei, mit ihnen umzugehen.

Dein Kind fühlt sich überfordert und hat deshalb Wutanfälle? Dann sorge für Sicherheit und klare Orientierung.

 

Die Führung und Verantwortung für Lösungsmöglichkeiten liegt also bei den erwachsenen Bezugspersonen und sie haben einen sehr großen Handlungsspielraum, der manchmal ohne professionelle Hilfe nicht wahrgenommen wird.

Zur Übernahme der eigenen Verantwortung und Führung gehört auch die Auseinandersetzung mit den eigenen Triggern, den eigenen Stressreaktionen und Überlebensmustern. Hier arbeiten Expert:innen und Therapeut:innen mit dem Nervensystem, um es im Triggermoment schneller wieder aus der Blockade zu holen. Denn ein blockiertes Nervensystem lässt uns als Eltern schneller „ausrasten“ und überreagieren. Es blockiert kooperative und klare Führung.

Als drittes dürfen wir als Eltern (oder auch als Pädagog:innen) mehr Kreativität in den Alltag einladen (der Zugang dazu könnte im inneren Kind liegen). Denn außer der rationalen Ebene gibt es noch viele weitere, auf denen wir hochsensible oder Kinder in ihrer Besonderheit verstehen, erreichen und abholen können: die emotionale Ebene, die körperliche Ebene, die Ebene des Humors und des Spiels, die Ebene des kreativen und musischen Ausdrucks. Wir können zum Beispiel Übersetzer schulischer Inhalte auf anderen Ebenen werden. Es gibt mittlerweile innovative Menschen, die genau das versuchen und beispielsweise auf sozialen Plattformen Inhalte anbieten, die bereits „übersetzt“ sind. So kann Mathe zum Beispiel gesungen oder Buchstaben können gefühlt und getanzt werden.

Als viertes dürfen wir Kinder darin bestärken, dass ihre Emotionalität und Feinfühligkeit eine Gabe ist. Sie kann umso mehr genutzt werden, je mehr die Kinder frühzeitig lernen, Emotionen wahrzunehmen, zu benennen, einzusortieren und sie zu regulieren, so dass sie in sich selbst Stabilität, Ruhe und Entspannung finden. Wir müssen dabei keine Expert:innen oder Psycholog:innen sein. Das einfühlsame Wahrnehmen und In-sich-Spüren ist der Grundstein dafür.

Beispiel für ein tägliches Ritual (z.B. wenn alle am Nachmittag nach Hause kommen):

 

Lass uns ankern: die Augen mal schließen und Hände auf den Bauch legen. Was fühlst du gerade im Körper?
Wie könntest du das nennen? Ist da Erschöpfung? Bist du müde?
Was brauchst du gerade? (Das Kind nennt hier vielleicht: eine Süßigkeit)
Etwas Süßes ok. Wie fühlt sich das im Körper an, wenn du was Süßes gegessen hast. Ist die Müdigkeit jetzt weg?
Was brauchst du wirklich? Stell dir mal vor, du ziehst dich für 10 Minuten in deine Kuschelecke ins Zimmer zurück und ich lese dir etwas vor. Wie fühlt sich das in deinem Körper an?
 

 

Die Angebote zur Regulation können unterschiedlich sein und auch bei jedem Kind anders wirken. Biete Lösungen an, die möglichst natürlichen Ursprungs sind: Bewegung, Natur, mit dem Hund rausgehen, das Meerschweinchen auf den Arm nehmen, Kuscheln, eine Massage, (vor)lesen, Musik hören, Traumreisen hören, Singen, Tanzen, Kissenschlacht, Malen, Basteln, Töpfern, im Sand matschen, Spielen, Baden, Kochen/witzige Brote machen… Jedes Kind hat einen anderen natürlichen Seelenausdruck und spricht auf etwas anderes an. Wichtig ist, dass dieser innere Kern, die Essenz des Kindes, durch das elterliche Angebot wieder belebt und mit Leben gefüllt wird. Dabei bitte das Kind nicht alleine lassen, sondern es behutsam begleiten wenn es das möchte. Es findet auf diese Weise zurück in seine ureigene Schwingung, in der es automatisch in Balance und im Potenzial ist.

 

was brauchen sensible kinder in der begleitung?

  • Anbindung und Präsenz
  • Schutz und Abgrenzung
  • Balance und Regulation
  • Unterstützendes Umfeld


 

Ich werde im folgenden näher darauf eingehen.

 

Präsenz ist das Gefühl, ganz bei sich zu sein. Anbindung ist das, was zur Präsenz führt. Es ist das Spüren einer inneren Kraft, die einen immer dann mit Lebendigkeit, Präsenz und Wohlgefühl nährt, wenn man ganz bei sich ist. Manche Kinder brauchen dafür Zeit mit sich alleine, andere lieben und nähren sich über den Einzelkontakt zu einem präsenten Elternteil bzw. einer Bezugsperson, der wie ein Spiegel für sie ist. Über das sich Erleben/Erkennen durch den anderen, lernen sie sich selbst immer besser kennen. Das spüren hochsensible Kinder oder Menschen sehr, dass sie allein mit sich - in der Auszeit und im Rückzug - ihre eigenen Batterien aufladen. Wenn dein Kind hochsensibel ist, braucht es also im Vergleich zu anderen Kindern oft mehr ZEIT MIT SICH ALLEINE. Es will lesen, malen, basteln, Hörspiele/Musik hören, alleine spielen... es zieht sich häufig in eine Ecke oder ins Zimmer zurück. Das ist seine Möglichkeit, sich aufzutanken, wieder bei sich anzukommen und den eigenen Seelenklang und Rhythmus wiederzufinden. Denn Menschen, die hochsensibel sind, kommen schneller aus ihrem eigenen Takt.
 
Schutz und Abgrenzung kreiert sich dein Kind in Auszeiten und Rückzugssituationen. Das eigene Zimmer wird z.B. als Schutzraum empfunden. Aber auch in den pädagogischen Einrichtungen suchen sich hochsensible Kinder oft Schutzräume, z.B. die Lese-Ecke, ein Baum auf dem Schulhof oder die Schulbücherei. Sie bauen in jungen Jahren gerne Lager und Höhlen aller Art und können sich sehr gut mit sich allein beschäftigen. Schutz und Abgrenzung kreiert sich das Kind auch dadurch, dass es sich meist eher allein oder nur mit 1-2 Kindern trifft oder beschäftigt. Eine beste Freundin ist bei hochsensiblen Kindern charakteristisch. Sie sind weniger in grossen Cliquen zu finden und wenn, dann eher, weil sie dort zufällig hineingeraten. In Gruppen fühlen sich diese Kinder oder Heranwachsene eher unsicher.
Hochsensible Kinder sind neuen Situationen gegenüber oft kritischer und sie brauchen in dem Sinne mehr Sicherheit, mehr Rückhalt und mehr Ermutigung von Seiten der Eltern oder Peers, um sich aus ihrer Komfortzone (ihrem Schneckenhaus) heraus zu trauen. Manchmal wird das leider als Faulheit oder Desinteresse interpretiert, was eine grobe Fehleinschätzung dieser Kinder ist.

 

Hochsensible Kinder haben es schwerer in Balance zu bleiben, es braucht daher von den Erwachsenen und Eltern einen wachsameren Blick darauf. Kinder, die hochsensibel sind, können nicht gut unterscheiden zwischen dem, was zu ihnen gehört und dem, was fremd ist.

Sie lassen schnell Informationen und fremde Emotionen, Gedanken, Glaubenssätze und andere Manipulationen in ihr Feld, wodurch ihre Stabilität immer wieder herausgefordert wird. Sie kommen schnell ins Schwanken und können sich dann von selbst nicht mehr alleine regulieren. Man kann sich das wie eine Waage vorstellen. Links ist die eigene Energie und das Sich-nach-Innen-Wenden. Rechts ist das Außen, mit der Fremdenergie. Wenn der Fokus zu stark auf das Außen geht und sich dort immer mehr Energie ansammelt, kippt die Waage. Es braucht dann unbedingt wieder den RÜCKZUG ZU SICH, das Sich-nach-Innen-Wenden und das Auftanken der eigenen Batterien. Dazu brauchen Kinder im Allgemeinen eine Co-Regulation durch erwachsene Bezugspersonen. 


Gerade Hochsensible Menschen passen sich gerne ans Außen an und verraten dadurch ihre eigenen Bedürfnisse und Werte. Und sie werden zudem auch oft von "Energieräubern" (in Form anderer Menschen) ausgenutzt, die ihnen weitere Energie abziehen. Um in Balance zu bleiben, muss der FOKUS ZWISCHEN INNEN UND AUSSEN gleich stark sein, darf die Waage immer wieder ausgerichtet werden. Hochsensible  Eltern unterstützen ihre Kinder zu unterscheiden zwischen: Was ist im Außen jetzt wichtig und was nicht? Welcher Mensch tut mir gut und welcher raubt mir nur Energie?
 

Ein unterstützendes Umfeld ist für Kinder, die hochsensibel sind, absolut wichtig, damit sie ihr Potenzial entfalten und gesund bleiben

 

Und das beschreibt den vierten Punkt: Es braucht Erwachsene, die auf die erweiterten Bedürfnisse der Kinder Rücksicht nehmen, die ihr Sein schätzen und ihre hellsinnlichen Wahrnehmungen anerkennen und feiern. Denn Hochsensibilität ist eine Gabe und die hat es auch schon immer gebraucht in unserer Gesellschaft.

 

Es braucht hier Eltern, die mit Einfühlsamkeit, Selbstverantwortung, Klarheit und Präsenz das Kind führen und ihm beibringen, was es für ein Leben in Potenzial und Balance braucht. Das setzt voraus, dass die Eltern selbst ein Leben in Balance führen und nicht ständig überfordert oder gestresst sind. Denn dieser Stress der Erwachsenen nimmt sich das „hellfühlige“ Kind sehr "zu Herzen“.

 

Und ein unterstützendes Umfeld bedeutet insbesondere auch, dass Eltern ihr eigenes Vertrauen in das Kind überprüfen und stärken, denn nur dann können sie Schubladendenken vermeiden. Steckst du als Elternteil nämlich in der Angst fest, dass aus deinem Kind „nichts wird“, wenn es in der Schule nicht zur Norm gehört, dann wird das den Raum der Möglichkeiten und den Lebensweg deines Kindes sehr eng machen. Genau das sind die Fallen, in die viele Eltern – unbewusst und natürlich verständlicherweise – tappen.

 

Alle Denkmuster, Prägungen und Konditionierungen wie Leistungsorientierungen, Normbereich, Zielerreichung, Noten, usw. müssen einmal auf links gedreht werden: entsprechen diese Annahmen wirklich meiner tiefsten innersten Wahrheit? Ist das wirklich zum höchsten Wohle aller? Führt das wirklich in Gemeinwohl, Erfüllung und Potenzial?

 

Welche konkreten Unterstützungen kannst Du Deinem Kind im Alltag schenken?

  • Erlaube Deinem Kind den Rückzug, ...so oft es möglich ist. Dein Kind schätzt einen klaren Rhythmus mit Aktivitäten und Entspannungszeiten, in denen es wieder in Ruhe und Rückzug kommt. Plane nicht direkt nach dem Kindergarten oder der Schule die nächste Aktivität, sondern erlaube immer wieder erstmal diesen Rückzug, dieses Zurückfinden in den eigenen Ryhthmus.
  • Baue von klein auf viel Naturzeit in Eure Freizeitgestaltung ein. Dein Kind braucht mehr die Entdeckung der Natur als das animierte Spiel in irgendwelchen Mutter-Kind-Kursen. Insbesondere der Wald ist sehr beruhigend und beschützend für Kinder, die hochsensibel sind. Dort lassen sich auch tolle Tipis/Hütten/Buden bauen, die dem Schutz der Kinder dienen.
  • Erlaube und unterstütze das Höhlenbedürfnis und versuche es oft in den Alltag einzubauen: z.B. setze dein Kind in den Fahrradanhänger statt auf einen Kindersitz, lies abends mit einer Taschenlampe das Buch unter der Decke vor, richtet eine gemütliche Kuschelecke ein im Kinderzimmer, kaufe einen Hängesessel, in welchem sich das Kind einkuscheln kann, spielt oft das Spiel "Verstecken", lasse dein Kind baden statt duschen und dimme dabei die Beleuchtung, hänge über das Bett des Kindes ein Tuch (wie ein Baldachin), „up-cycelt“ große Verpackungskartons und baut daraus ein Haus, versorgt das Kinderzimmer mit großen Kissen und Decken um Höhlen zu bauen, geht auf besondere Spielplätze, wo es natürliche Büsche und Versteckmöglichkeiten oder tolle Naturhäuschen gibt usw.

    Höhlenerlebnis bedeutet auch, dass grelles Licht dem Kind nicht so gefällt. Du kannst stattdessen Salzkristalllampen, warme und dimmbare Lichtquellen benutzen. Vielleicht möchte sich dein Kind auch eine LED-Lichterkette ins Zimmer hängen, bei der je nach Stimmung unterschiedliche Farben eingestellt werden können.
  • Fördere das kreative und vielfältige Innenleben deines Kindes: mit Phantasiereisen, Traumreisen, Märchen, Geschichten, entsprechend schönen Kinderbüchern und Hörspielen. Wenn dein Kind viel malen, basteln und lesen will, dann versuche ihm, ein ansprechendes und entsprechendes Angebot zur Verfügung zu stellen. Du findest vielfältige Vorschläge dazu im Internet und auch die Steiner-Pädagogik und Montessori-Pädagogik bieten viele Anregungen. Wähle achtsam aus, was deinem Kind gut tut. Und: weniger ist mehr. Hochsensible Kinder fühlen sich durch ein Überangebot eher überfordert als angeregt.
  • Stelle das Wohlgefühl Deines Kindes in den Mittelpunkt, denn das ist der sichere Rahmen, den es braucht, wenn es nach draußen geht. In diesem Sinne geht es z.B. um die "richtige" Kleidung und um das "richtige" Essen, welches ihm das Wohlgefühl in der Grundschule schenkt. Lass also dein Kind entscheiden, was es anziehen möchte. Geht gemeinsam einkaufen (es wird sich sicherlich keinen Kratzpullover, kein steifes Hemd o.ä. aussuchen). Frage dein Kind, was es essen möchte, und was es sonst noch braucht, um sich wohl und sicher zu fühlen.
  • Eine weitere Möglichkeit ist es, einen energetischen „Schutzmantel“ anzuziehen. Diesen Schutzmantel darf sich das Kind in einer inneren Reise vorstellen und ganz nach seinen Vorlieben ausschmücken. Der Schutzmantel hilft, fremde Gedanken, Stimmungen und Energien fernzuhalten und sich in sich selbst wohl und geschützt zu fühlen. (Du findest ganz unten meine Meditation zum Schutzmantel für Kinder.)
  • Sprich mit dem Kind über seine Wahrnehmungen und über deine eigenen. Im Austausch lernt dein Kind, seine Wahrnehmung besser einzuschätzen. Zeige ihm, dass du seinen Hellsinnen traust. Lies ihm magische, märchenhafte und phantasievolle Geschichten vor oder erfindet gemeinsam eigene, um den Hellsinnen einen Raum zu geben.

 

Und noch ein wichtiger Hinweis:
Manche Kinder, die hochsensibel, introvertiert und sehr angepasst sind, erscheinen manchmal sehr vernünftig und werden altersmäßig eher überschätzt. Sei dir immer wieder bewusst darüber, dass dein Kind das Kind ist und du der/die Erwachsene. Auch dein vernünftiges Kind darf mal einen Wutanfall haben und seine Grenzen deutlich machen. Halte den Raum dafür. Nimm wieder ganz bewusst die Verantwortung der elterlichen Führung zu dir. Denn dein Kind zeigt dir mit seinem Verhalten gerade an, dass du es möglicherweise im Hinblick auf Vernunft und Verantwortung überfordert hast (das passiert vor allem bei älteren Geschwistern, die als „groß“ bezeichnet werden, obwohl sie selbst auch noch Kind sind).

 

Zögere nicht, dir Unterstützung in der Begleitung deines Kindes zu holen

 

Sehr häufig sind Eltern hochsensibler Kinder selbst sehr feinfühlig. Es kann ein großer Gewinn sein, wenn Eltern daher erst einmal an sich selbst arbeiten: Was habe ich für Gefühle? Wo komme ich an meine Grenzen? Wie ist mein eigenes Stresserleben? Warum ist das so? Habe ich meine eigene Feinfühligkeit bisher versteckt oder verdrängt? 


Der Zugang zum eigenen feinsinnigen Wesen ist immer wieder ein wichtiger Schlüssel, um empathisch, achtsam und authentisch das eigene Kind begleiten zu können. Und er birgt ein großes Potenzial zur eigenen Weiterentwicklung. In diesem Sinne ist ein auf den ersten Blick „problematisches“ Kind ein Geschenk, an dem jeder Elternteil wachsen kann.

Und wenn wir den Blick ganz weit machen, können wir vielleicht sogar einen gemeinsamen Auftrag dieser Kinder und Menschen für unsere Welt wahrnehmen. Ein Systemwechsel, den sie einläuten und begleiten, ein Wandel von der Verstandesintelligenz hin zur Herzintelligenz.

 

 

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