Eltern haben einen Einfluss auf Schulstress - Wie du ihn konkret reduzieren kannst
Eltern verstärken oft unbewusst den Druck und Schulstress auf ihre Kinder: durch ihre Erwartungen, Konditionierungen und Leistungsansprüche, die aus eigenen Versagensängsten oder mangelndem Selbstwert heraus entstanden sind. Viele Schulprobleme in Familien - die sehr belastend sind - könnten entschärft werden, wenn Eltern ihre eigenen Muster hinterfragen und einen neuen Blick gewinnen. Welchen Blick ich meine, davon berichte ich in diesem Beitrag.
GROWTH MINDSETLERNEN BEI KINDERNLEISTUNGSDRUCKDYSFUNKTIONALE BEZIEHUNGSMUSTER
Johanna Geiger
9/24/2026
Eltern geben den Druck der Schule oft unbewusst weiter –
und legen ihren eigenen Druck noch obendrauf: Den Druck, gute Eltern sein zu müssen. Den Druck, nicht zu versagen.
Das Ergebnis? Anstatt einen Druckausgleich zwischen Kind und Schule zu schaffen, entsteht eine Druckverdoppelung: sie legen noch einen oben drauf. Und das hat einen bestimmten Grund, der meistens auf die eigene Kindheit zurückgeht:
Das eigene Gefühl, nicht gut genug zu sein oder versagt zu haben, wird auf das Kind projiziert
Leistungsansprüche der eigenen Eltern werden unhinterfragt an die Kinder weitergegeben
Es wurde eine Kompensationsstrategie zum Schutz des Selbstwerts aufgebaut, die Anerkennung direkt an Leistung knüpft
Die eigene Scham, in der Erziehung versagt zu haben, ist schmerzvoll und soll unterdrückt werden
Es sind also im Grunde Bindungsverletzungen die zu Mustern führen, die eigenen Kinder zu kontrollieren, Leistung und Perfektionismus zu fordern, Fehler nicht zu tolerieren, anzuklagen, zu kritisieren, Angst vor Versagen in den Vordergrund zu stellen.
Aber es könnte auch anders sein.
Was wäre, wenn du das Druckventil bist?
Eltern haben die Möglichkeit, den Druck des Systems abzufedern – ihn zu transformieren, sodass nur noch ein Bruchteil davon beim Kind ankommt. Das klingt vielleicht unmöglich. Aber ich bin überzeugt davon, dass es geht - habe es schon sehr viele Male bei KundInnen erlebt - und ich möchte dir in diesem Artikel zeigen, was es konkret bedeutet, das Druckventil zu sein.
Welchen Handlungsspielraum hast du als Elternteil, den Schulstress für dein Kind abzumildern, anstatt ihn zu verstärken?
Die Schule als System weniger ernst nehmen: Nicht verantwortungslos – sondern bewusst. Schule ist ein System, an dem wir teilnehmen, so wie wir Steuern zahlen. Wir müssen mitmachen, aber wir entscheiden, wie viel Energie wir hineingeben. Und vor allem: wie viel Gewicht wir seinen Botschaften beimessen.
Den eigenen Glauben ans Kind stärken: laut und klar. Anstatt die Bewertungen und Glaubenssätze von Lehrkräften unhinterfragt zu übernehmen, könnten Eltern sagen: „Ich glaube an dich. Ich sehe jeden Tag, was du kannst. Gemeinsam schaffen wir alles." Es ist ein Vertrauensvorschuss, den Eltern in ihr Kind setzen. Sie vertrauen und trauen ihm zu, dass es seinen ganz eigenen Weg - mit oder ohne Umwege - finden wird. Dieses Vertrauen ist sooo entscheidend und macht einen wirklich grossen Unterschied.
Die Realität sehen: Schule bereitet heutzutage nicht aufs Leben vor. Das System Schule lehrt wohl kaum das, was Menschen für ihre Lebensbewältigung wirklich brauchen. Oder wieviel von deiner eigenen Ausbildung setzt du in deinem Leben (privat und beruflich) ein? Was davon hat dir wirklich geholfen, deine Probleme zu lösen und Krisen zu meistern? Die meisten sagen: das war nicht die Schule. Deshalb dürfen Eltern Schule in den richtigen Rahmen und ins rechte Licht rücken: Grund- und Basiskompetenzen sind wichtig und werden dort erlernt. Doch ein Grossteil des Lehrplans könnte auch ausgemistet werden. Also: Hobbies, soziale Interaktionen, Ehrenamt, Mithilfe in der Familie, echte Konflikte und ihre Lösung im Alltag...all das zählt mindestens genauso viel für die persönliche Entwicklung eines Kindes wie die Schule.
Den Blick auf die Zukunft weiten: Wir können heute gar nicht sehen, was in einigen Jahren gesellschaftlich relevant sein wird, wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt und wie sich Berufsbilder verändern. Daher sind viele Standardsprüche längst überholt. Fehlende Motivation von Kindern in der Schule hat oft auch genau mit dieser Unklarheit bzgl. der Zukunft zu tun. Wenn ich nicht weiss, wofür ich was lerne, ist es schwer, dort einen Fokus aufzubauen und zu halten. Einfach mal ins Blaue hinein zu lernen, ist für SchülerInnen meist langweilig und irrelevant. Was wirklich wichtig wäre – was immer gefragt sein wird – ist emotionale Intelligenz, kritisches Denken, Unterscheidungsvermögen, Menschlichkeit und die Fähigkeit, Sinn zu erkennen und sinnhaft zu handeln/leben.
Wenn Eltern das verinnerlichen, verliert der Druck des Systems viel von seiner Macht. Und vielleicht können sie dann gemeinsam mit ihren Kindern darüber lachen, wie ernst man das alles einmal genommen hat. Vielleicht spüren sie plötzlich: die Macht und der Handlungsspielräum liegen ja in mir!!
Welchen Handlungsspielraum meine ich...
Was keine Schule lehren kann – und was dennoch den entscheidenden Unterschied machen wird:
Welchen Selbstwert du deinem Kind mitgibst
Welches Vertrauen in sich selbst es entwickeln darf
Welchen Mut und welche Lebendigkeit es in sich trägt
Wie dein Kind auf das Leben blickt: lebst du ihm vor, dass Leben sinnhaft und schön ist?
Das sind die Dinge, die ein Kind stark machen. Nicht für ein System – sondern für das Leben.
Ich frage meine Eltern auch gerne: "Welche Brille hast du gerade auf?" Ist es die "Systembrille", die "Leistungsbrille", die "Lösungsbrille", die "Vertrauensbrille" oder die "Beziehungsbrille"? Jede Brille legt den Fokus auf etwas anderes. Wenn wir die Systembrille öfters mal absetzen, kann sich manchmal ein Wunder ergeben.
Eine leise Stimme
Vielleicht liest du das und denkst: Das ist doch unrealistisch. Oder vielleicht – ganz leise, ganz kurz – meldet sich da etwas in dir, das sagt: Ja. Das stimmt. Sie hat recht.
Diese Stimme ist deine Intuition - sie berührt deinen Wesenskern, der eine tiefe Wahrheit in sich trägt. Die Herzensstimme ist leise. Manchmal so leise, dass der Verstand sie sofort übertönt mit dem, was du schon immer gedacht hat oder mit dem, was das Aussen (dein Umfeld, die Gesellschaftlichen Normen) dir ständig weissmachen wollen. All diese Stimmen wollen dir sagen: das hat man schon immer so gemacht, deshalb ist es richtig.
Aber tatsächlich ist unser Schulsystem noch gar nicht so alt. Und die Welt verändert sich gerade mal wieder grundlegend. Vieles, was als sicher galt, wird neu bewertet werden müssen.
Es gibt Kinder, die entscheiden sich heutzutage gegen die Schule. Sie verweigern. Sie gehen nicht mehr hin. Weil sie zutiefst spüren, dass sie dabei krank werden. Dass etwas in ihnen kaputt geht. Dass sie keine Energie mehr haben, weil Schule sie "aussaugt". Sie entscheiden sich für andere Wege: manche sogar für eine psychiatrische Klinik. Denn wenn du im System nicht passt, dann bist du laut unserem System "krank" und dysfunktional. Doch diese Sichtweise ist eigentlich das Kranke. Gehen wir mit unserem Denken mal ausserhalb des Systems, so werden wir erkennen, dass dieser Rahmen vom System selbst definiert wurde. Nicht das Menschliche oder seine Entwicklung steht im Mittelpunkt, sondern der Selbsterhalt des Systems - mit allen Mitteln.
Das Kind als vollständiges fühlendes Wesen
Wenn wir Kindern zugestehen, bereits mit einem vollständigen inneren Programm zu Welt zu kommen (siehe dazu auch Gerald Hüther), das Neugier, Entdeckerlust, Motivation und Lernen ganz von selbst mitbringt, dann werden wir der Schule nicht mehr soviel Bedeutung beimessen. Dann erst kann der Wandel beginnen, weil wir einen neuen Blick darauf haben.
Das ist die Chance zu erkennen: Das Kind ist bereits ein vollständiges Wesen. Es braucht keinen Druck, keine Manipulation, kein ständiges Formen und Fordern. Es braucht Raum – und Vorbilder.
Vorbilder, die verkörpern, was das Kind ohnehin schon in sich trägt: Liebe, Präsenz, Selbstwert, Mut, Menschlichkeit und Lebendigkeit. Wenn Kinder das um sich herum erleben, entfalten sie es – ganz von selbst, in ihrem eigenen Tempo, auf ihre eigene Art.
Ich spreche hier auch gern vom Bild des Gartens:
JA ich habe im Garten unterschiedliche Gestaltungsspielräume: ich kann säen, schneiden, jäten, usw.
Aber der Garten braucht mich nicht. Er wächst auch so. Denn das innere Programm zu Wachstum und Entwicklung, gemäss den Jahreszeiten, läuft von ganz allein! Es ist eine schöpferische Ordnung, die jedem lebendigen Wesen innewohnt. Die Bienen kommen von allein, der Regen kommt von allein, die Sonne kommt von allein. Die Insekten und Würmer sind in der Erde. Ein perfektes Zusammenspiel - solange wir nicht eingreifen und manipulieren. Wie wir oft sehen, ist es die Manipulation, die das Gleichgewicht stört. Und so können wir auch an Kindern beobachten, dass jedes Eingreifen, jedes Korrigieren, jedes Fördern eine Kehrseite hat: das innere Programm kann irritiert werden.
Deine wichtigste Aufgabe als Eltern...
...ist es also, den inneren Funken für diese Entwicklung nicht zu löschen – sondern zu schützen. Zu schützen vor dem Schulstress, zu schützen vor den harten Worten mancher Lehrkräfte oder Menschen aus dem Umfeld, und zu schützen vor der eigenen Angst: das aus dem Kind nichts wird.
Den inneren Funken können wir aber nur dann wertschätzen und nähren, wenn wir ihn auch in uns als Eltern wieder wahrnehmen. Wenn wir selbst diese ganzen konditionierten Schichten, Strategien, Glaubenssätze ablegen dürfen, um wieder in den ursprünglich gedachten Selbstausdruck zu kommen. Der Funke ist ein inneres Licht, das in jedem von uns leuchtet, manchmal glimmt es nur noch, manchmal ist es ein Feuer. Und dieses wieder zu entfachen, wird deinem Kind viel Druck nehmen. Denn wenn du so sein darfst wie du bist, darf auch dein Kind so sein wie es ist.
Eine Rose bleibt dann eine Rose, ein Gänseblümchen bleibt ein Gänseblümchen in deinem Garten. Beide sind schön, beide sind wichtig. Es gibt kein Gleichmachen mehr.
Du hast also die Macht zu entscheiden, welche Bewertung du gibst. Du entscheidest, wieviel Raum der Funke deines Kindes bekommt, wieviel Brennholz und Luft zum Atmen - damit aus einem Funken ein Feuer wird.
Diese Macht liegt bei dir.
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