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Nur das Beste für Dein Kind

 

"Schatz, ich will doch nur das Beste für Dich!"
Wenn wir Kinder erziehen, möchten wir mit unseren Massnahmen doch offensichtlich das Beste für unsere Kinder: wir sorgen uns um ihre Gesundheit, um ihre Bildung, um ihr Auftreten, um ihre Manieren. Das ist die bewusste Ebene.  Doch tatsächlich steckt dahinter ganz oft die eigene Angst und Bedürftigkeit.

 

Dabei gibt es zwei Probleme:

  1. Wir identifizieren uns zu stark mit unserem Kind und haben das Gefühl: "Sein Fehler ist mein Fehler." "Sein schlechtes Benehmen macht mich auch zur schlechten Mutter." "Für seine Fehltritte muss auch ich gerade stehen." --> klar wir haben eine Verantwortung für unsere Kinder. Aber wir sind nicht sie. Das Kind muss eigene Erfahrungen machen unabhängig von uns. Durch diese Erfahren sollte es frei und in Liebe begleitet werden (anstatt unsere Angst und unseren Perfektionismus drüber zu legen)..
  2. Wir haben uns zu wenig mit den eigenen Konditionierungen und Glaubenssätzen auseinandergesetzt, die uns täglich antreiben. Diese eigene Anpassung, die wir aus Angst vor Ausgrenzung und fehlender Anerkennung tagtäglich leisten, obwohl dieser Weg gar nicht uns entspricht, zwingen wir nun auch unserem Kind auf. Denn jetzt haben wir soviel Vorarbeit geleistet, das lassen wir uns nicht vom Kind wieder kaputt machen! Tatsache ist, dass das Leben gerade den überangepassten kontrollierenden Eltern ein Kind schenkt, das die Grenzen sprengt. Denn dann ist der Lerneffekt wohl am größten!

 

Ich gebe dir noch ein paar Beispiele aus dem Alltag, in denen diese Mechanismen sichtbar werden:

  • Angenommen, Dein Kind zieht sich nicht ordentlich oder dem Wetter angemessen an. Geht es Dir dann wirklich nur um die Gesundheit des Kindes, oder eher darum, was andere von dir als Mutter denken könnten: „sie lässt ihr Kind bei diesem Wetter so herumlaufen?“
  • Angenommen Dein Kind hat einen Auftritt in der Musikschule, und das Musikstück sitzt einfach noch nicht perfekt. Vielleicht hat dein Kind total Freude dran. Es ist ihm nicht so wichtig, dass es perfekt ist, sondern einfach nur dabei zu sein. Für dich ist es aber vielleicht schon wichtig, denn dahinter steckt die alte Angst, nicht dazu zu gehören, nicht wertgeschätzt zu werden, nicht die Anerkennung (anderer Eltern) zu bekommen. Es ist dein eigenes Thema und du überträgst es nun unbewusst auf dein Kind, machst ihm dadurch Druck.

Fallen dir weitere Beispiele ein? Es sind diese Situationen, in denen wir, wenn wir ganz ehrlich zu uns sind, spüren, dass etwas in uns sagt: das macht man nicht. Das ist peinlich. das gehört sich nicht. Es ist der innere Kritiker, Antreiber und Lehrer, der dann nicht nur uns selbst sondern auch unsere Kinder antreibt. Das passiert so lange bis wir uns bewusst mit unseren Konditionierungen aus der Kindheit befasst haben, bis wir uns klar geworden sind, was wir wirklich für unser Leben wollen und was uns bisher vom außen aufgezwungen wurde. Bis wir klar haben, welche Dinge wir aus der Angst und Bedürftigkeit tun statt aus Liebe.

 

Die eigenen Kinder lehren uns: "Vergiss die anderen! Tu was Du willst." Es ist ein bisschen so, als hätten wir alle eine Pipi Langstrumpf zu Hause. Und mal ehrlich, wir haben sie doch alle als Kind geliebt oder?

 

Hinterfrage Deine Reaktionen, Deine Erziehungsmassnahmen und Deine Sätze doch mal genauer. Du wirst bestimmt viele Situationen finden, in denen Du das beobachten kannst, was ich hier beschreibe. Und dann kannst Du Dir innerlich sagen: "Danke mein Kind, dass Du mich daran erinnerst, was wirklich wichtig ist!"

 


 

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