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Anerkennung in der Eltern-Kind-Beziehung

 

Anerkennung ist nicht gleich Anerkennung. Was verstehen wir überhaupt unter diesem Begriff?

 

Ich bin auf Spurensuche bei mir selbst gegangen und möchte einiges davon teilen:

 

Anerkennung ist bei den meisten Menschen so geprägt, dass sie den Großteil ihrer Anerkennung von außen beziehen. Das bedeutet, ihr Selbstwert hängt davon ab, wieviel Anerkennung sie vom Umfeld bekommen. Selbst der Duden definiert Anerkennung in diesem Sinne.

 

Die zweite falsche Verknüpfung haben wir beim Thema Leistung und Bewertung,...auch sie sind beim Großteil der Menschen direkt mit Anerkennung verknüpft. Ich erhalte also Anerkennung für gute Leistungen, für gute Noten, für Karriereaufstieg, für einen Verdienst usw. Die Sozialisation hat uns demnach gelehrt, dass Anerkennung etwas ist, was man sich verdienen muss. Wer nichts leistet, bekommt keine Anerkennung. Wer nicht das leistet, was in unserer Gesellschaft angesehen und mit gutem monetärem Ausgleich verknüpft ist, bekommt in der Regel auch nicht viel Anerkennung - beispielsweise als Eltern in der Kindererziehung oder wenn Du ehrenamtlich arbeitest. Das bedeutet, Anerkennung wurde in unserer Leistungsgesellschaft direkt mit Geld verknüpft. Und wer die Anerkennung hat, hat die Macht.

 

Das Wort oder das Wesen der Anerkennung ist schon lange nicht mehr frei. Wir erwarten eine Gegenleistung dafür. Wir knüpfen Ansprüche, Erwartungen und Absichten daran.

Die Anerkennung wird manipuliert vom Leistungssystem, vom Bildungssystem, vom Finanzsystem, und vielen weiteren Quellen. Der Druck, anerkannt zu werden, im außen, steigt immer mehr und ist immer schwerer zu erreichen. Selbst wenn Du einen Tag Anerkennung erhältst, so musst Du schon wieder dafür kämpfen, dass diese Anerkennung auch anhält. Soziale Medien tun ihr übriges dazu, dass der Druck der Anerkennung größer wird. Dass junge Menschen versuchen, tagtäglich ihre vielen Likes zu erhalten, um sich anerkannt zu fühlen. Das Selbstbild wird komplett auf die äußere Anerkennung aufgebaut. Ein sehr gefährlicher Trend, der uns Menschen immer mehr in die Instabilität und Depression treibt. Wenn wir da nicht mehr mitmachen wollen, müssen wir zum Ursprung zurückkehren und anfangen, die Anerkennung wieder im Innen zu suchen (genauso wir unsere Stabilität und Klarheit).

 

Was ist mit Anerkennung im URSPRUNG gemeint?


Anerkennung kommt vom Wort Erkennen. Es geht um das Erkennen des eigenen Selbst. Es geht um das Erkennen des natürlichen ursprünglichen Wertes des Selbst. Und es geht um das Erkennen der eigenen Stärken.

Anerkennung hat im ursprünglichen Sinne nichts mit Leistung zu tun. "ICH ERKENNE MICH. ICH ERKENNE DICH. ICH SEHE MICH MIT ALLEM WAS MICH AUSMACHT. UND ICH SEHE DICH, MIT ALLEM WAS DICH AUSMACHT."

Das steckt dahinter. Das nährt. Anerkennung nährt sich aus dem eigenen Sein, aus dem Seelenpotential und aus der höchsten Liebe und Freude.

 

Stell Dir einmal eine Welt vor, in der Anerkennung an Liebe, Freude und innere Stabilität und Würde geknüpft wäre. Allein dadurch, dass jemand eine Aufgabe mit Freude tut, erfüllte ihn mit Anerkennung. Sähe dann nicht die ganze Welt komplett anders aus? Wieviel Kriege, Konflikte und Auseinandersetzungen geschehen auf dieser Welt, weil ein Mensch oder eine Gruppe sich nicht anerkannt fühlt? Mehr als 75%...
Wieviele Auseinandersetzungen hast Du in Deiner Familie, weil eine/r sich nicht gesehen fühlt, sich nicht wertgeschätzt fühlt, sich dadurch nicht anerkannt fühlt?

 

Ist es nicht essentiell, sich über die Anerkennung mal Gedanken zu machen, wenn man für Kinder verantwortlich ist? Oft übertragen wir sogar den eigenen Anerkennungsmangel auf unsere Kinder. Das war auch in meinem Fall so. 40 Jahre lang habe ich diesen Mangel für meine Mutter getragen.

 

Ich möchte Dir hier gerne ein paar Impulse geben, Dich mit dem Thema Anerkennung auseinanderzusetzen:

 

  • Nährt sich Deine Anerkennung durch das Außen oder Innen?
  • Erlaubst Du Dir Anerkennung oder glaubst Du, dafür eine Gegenleistung bringen zu müssen oder glaubst Du, dass Du Anerkennung nicht verdient hast?
  • Gab es in Deiner Familie Konkurrenz um die Anerkennung?
  • Welche Anerkennungskultur kennst Du aus Deiner Herkunftsfamilie? Wurde Anerkennung mit Leistung, Erfolg, bestimmtem Verhalten, mit Geld oder Geschenken verknüpft?
  • Welche Anerkennungskultur möchtest Du Deinen Kindern weitergeben? Kannst Du Deinem Kind sagen: Ich erkenne Dich an, in allem was Dich ausmacht. Kannst Du ihm Anerkennung schenken für sein pures Sein?
  • Welchen Stress macht Dir das Thema Anerkennung?
  • Bist Du süchtig nach Anerkennung?
  • Erkennst Du Deinen inneren Wert, Deinen Seelenwert, Deine Stärken? Erkennst Du sie auch an?
  • Sind Deine Beziehungen absichtslos und frei von Anerkennung? Oder sind bestimmte Menschen hauptsächlich an Deiner Seite sind, weil sie Dir Anerkennung schenken? 
  • Ist die Anerkennung, die Du suchst, Deine eigene, oder hast Du möglicherweise Deinen Umgang mit Anerkennung oder den Mangel der Anerkennung von Deinen Eltern übernommen?
  • Benutzten Dich Deine Eltern, um Anerkennung zu bekommen?
  • Benutzt DU Personen oder Dinge, um Anerkennung zu bekommen? (Arbeit, Statussymbole, Kinder, Partner, Freunde, soziale Medien...)

Du siehst, dass beim Thema Anerkennung viel erforscht und bewegt werden darf. Und dass hier einiges im Argen liegt. Als erstes könnten wir mal aufhören, unsere Kinder für angepasstes und erwünschtes Verhalten zu loben, denn genau dadurch lernen sie, dass sie für gutes Benehmen und gute Leistungen anerkannt sind. Im Umkehrschluss lernen sie dadurch auch, dass sie - wenn sie diesen Anforderungen nicht genügen, aus welchem Grund auch immer - keine Anerkennung, sondern oft sogar Missachtung und Bestrafung erhalten. Für Kinder (und sogar später im Erwachsenenleben) fühlt sich das so an wie: ich bin nicht geliebt. Ich bin nicht gut genug. Ich bin nicht richtig. Ich habe keine Daseinsberechtigung.

 

Würden wir mal die Schöpfung fragen: glaubst Du ein Schöpfer würde sagen, dass dieses Kind keinen Wert hat? Jedes Geschöpf hat den gleichen Wert und einen Sinn für unser Dasein und die Welt. Und manche Seelen kommen hierher um es uns schwerer zu machen, damit WIR UNS BEWEGEN und WACHSEN. Kannst Du das aus diesem höheren Zusammenhang betrachten?

 

Jede Seele ist wertvoll und zugleich wertfrei - sie bewertet ihre Lebensaufgabe nicht. Sie kann sie entweder nur erfüllen oder nicht erfüllen.

 

ALS ELTERN HAST DU EINE WICHTIGE AUFGABE: Dein Kind wirklich zu SEHEN. Mit allem, was es ausmacht. Als Baby fällt uns das noch relativ leicht. Wobei wir auch da schon anfangen, Erwartungen zu haben (das Kind soll endlich durchschlafen, soll soundsoviel trinken, soll schnell genug wachsen, sich entwickeln usw.)

 

In meinen Kursen rate ich den Eltern, ein Bild ihres Kindes mal so zu betrachten, dass sie die Seelenenergie des Kindes wahrnehmen. Frei von Ansprüchen, Erwartungen, Enttäuschungen...sie sind alle nur Ausdruck des Egos.

Welche Feinheit, welche Freude, welches Potential und welchen Klang kannst Du in Deinem Kind auf der Seelenebene wahrnehmen? Schaffst Du es, auch nur eine Stunde in dieser Energie und Wahrnehmung in eurer Beziehung zu bleiben?

Und ich kann Dir nur ans Herz legen: mache diese Übung auch mal mit einem Bild von Dir. Denn wir können nichts in der Interaktion mit den Kindern verändern, was wir nicht zu allererst in uns selbst bewegt haben.

 

In diesem Sinne wünsche ich, dass die Veränderung dieser Welt in jedem Einzelnen von uns beginnt.

 

Danke für Deine Zeit und Dein Lesen bis hierher.

 

Lasst uns das Leben und die Beziehung zu unseren Kindern freier, selbstbestimmter und achtsamer gestalten.

 


 

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