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Die Rolle des Gehirns für Dein persönliches Wachstum

Hast Du gewusst, dass Dein Gehirn aus 4 Teilen besteht, die alle unterschiedliche Aufgaben erfüllen? Wenn wir die Evolution betrachten, so haben sich diese Gehirnteile zu unterschiedlichen Zeiten entwickelt.

Die zwei Teile, die sich als erstes entwickelt haben, sind dem Instinkt zugeordnet und sie waren wichtig, um das eigene Überleben zu sichern. Bei diesen Gehirnen geht es also vor allem darum, einen eigenen Vorteil herauszuschlagen. Die Menschen waren durch diese Gehirnleistungen also z.B. bereit Feinde zu töten, um das Überleben ihrer Nachkommen sicherzustellen. 

In diesen zwei ältesten Gehirnen ist abgespeichert: wer ist gut und wer ist schlecht. 

Eigentlich ist das alte Gehirn ein nützliches Wahrnehmungssystem für Gefahr und es ist auch für die Steuerung des vegetativen Nervensystems, der Hormone und der Emotionen und Erinnerungen zuständig. Es wird dabei zum Großteil durch dein Unterbewusstsein gesteuert, du handelst hier sehr automatisiert. Wenn Du also in einem Streit im Affekt reagierst und dein Gegenüber anschreist, dann wirst Du in diesem Fall durch dein Kleinhirn und das limbische System gesteuert. Es laufen hier automatische Programme und Muster ab, bspw. fühlst Du Dich unbewusst an ein altes Erlebnis aus der Kindheit erinnert und reagierst deshalb automatisch mit Wut oder Aggression (Reiz-Reaktions-Muster).

 

Die neuere Teil Deines Gehirns, der Neokortex, kann höhere Denkleistungen vollbringen, durch ihn hast du also Zugang zum umfangreicheren Wissen, zu einer höheren Intelligenz und Logik, zu einem höheren Bewusstsein. Ganz wichtig für uns, wenn es um Intuition geht, ist vor allem der Frontallappen, ein Teil des Neokortex. Er ist der Sitz deiner Persönlichkeit, mit diesem Teil des Gehirns stellst Du die Frage „Wer bin ich?“. Auch der Humor, der Erfindergeist, also kreative Leistungen, Kunst und Musik sind auf diesen Teil des Gehirns zurückzuführen. Hier sitzt auch unser Willen, der ganz wichtig ist, wenn es um persönliche Veränderung geht. 

Denn wenn wir mehr unser altes Gehirn benutzen, sind unsere Handlungen automatisiert und sehr bedürfnis- und instinktgesteuert. Dem alten Gehirn nach, bleiben wir nämlich gern in unserer Komfortzone, gehen den Weg des geringsten Widerstands und scheuen Aufgaben, die uns herausfordern und Risiken beinhalten. Erst durch den Frontallappen haben wir die Möglichkeit, neu zu wählen und neue Wege zu gehen, indem wir willentlich eine Entscheidung treffen, von der wir glauben, dass sie z.B. unserem persönlichen Wachstum dient. Es verwundert nicht, dass der Frontallappen erst mit ca. 25 Jahren ausgereift ist. Das entspricht der Zeitspanne der Sozialisation, in der wir erwachsen werden. Deshalb sagt z.B. Gerald Hüther auch, dass es so schädlich für das Gehirn und die Persönlichkeitsentwicklung ist, wenn Kinder und Jugendliche ständig vor dem Smartphone sitzen, Computerspiele zocken oder sich in sozialen Medien bewegen. 

 

Aber nochmal zurück zu diesem spannenden Teil unseres Gehirns: der Neokortex ist also der Teil in uns, mit dem wir höhere Leistungen vollbringen können, mit welchem wir entscheiden, dass wir meditieren, dass wir fasten, dass wir zum Wohle der Umwelt ohne Auto leben oder kein Fleisch mehr essen wollen. Vor allem die Funktion des Frontallappens verbessert unser Mitgefühl, unsere Menschlichkeit und unsere Fähigkeit, zum Wohle aller zu entscheiden, also die Bedürfnisse und Bedarfe der gesamten Gesellschaft und der Gemeinschaft mitzubetrachten. Und ich habe in einer dritten Folge darüber gesprochen, dass wir, wenn wir der Intuition folgen, mehr und mehr unsere inneren Dramen loslassen können. Das bedeutet also, dass unser limbisches System, das unsere Emotionen verarbeitet, nicht mehr so einen hohen Stellenwert einnimmt. Dass gleichzeitig die Aktivität des Frontallappens erhöht wird. Und dass wir aus eigenen Dramen und Emotionen „aussteigen“ ist ganz essentiell, um das Wohl aller im Blick haben zu können, denn wenn ich in meiner eigenen Wut gefangen bin, dann bin ich nicht in der Lage, zu sehen, dass auch mein Gegenüber getriggert ist, dass mein Gegenüber traurig oder verzweifelt ist. 

 

Der Frontallappen ist auch der Teil unseres Gehirns, mit dem wir spirituelle Erfahrung machen und die Anbindung an etwas höheres, umfassenderes wahrnehmen. Der andere Teil des Neokortex ist dagegen sehr sachlich und logisch. So gibt es also auch Menschen, die haben zwar den älteren Teil ihres Gehirns im Griff, sind aber zu rational. Sie glauben nur, was sie sehen und was sich wissenschaftlich beweisen lässt. Sie haben vielleicht ein super mathematisches Verständnis, können aber trotzdem das große Ganze nicht sehen, weil der Frontallappen nicht richtig ausgebildet ist. Der Extremfall ist hier der Autismus, bei dem auch das limbische System nicht richtig arbeitet, also kein Zugang zu Emotionen oder Humor besteht. 

 

Du siehst also, dass wir nicht sagen können, dass ein Teil des Gehirns nicht wichtig ist. Alle 4 Gehirne spielen im Prinzip perfekt zusammen. Denn es bringt Dir nichts, wenn Du mit dem einen Gehirn erkennen kannst, welche schlechte Gewohnheit verändert werden müsste, wenn du nicht den Willen hast, es dann auch zu verändern. Und genausowenig bringt es dir nichts, wenn Du zwar voll spirituell bist, dabei aber keine Struktur hast und Deinen logischen Verstand nicht nutzt, um Deine Spiritualität und Deine Talente zum höchsten Wohle aller einzusetzen. An diesen Beispielen siehst Du, dass es genauso wichtig ist, den Instinkt zu nutzen, um Gefahren zu erkennen wie es auch wichtig ist, logische Schlussfolgerungen zu ziehen oder Emotionen wahrzunehmen. Durch den Neokortex ist es dir beispielsweise möglich, das, was Du emotional erfährst, richtig zu analysieren. Mit dem Neokortex kannst Du die Emotionen richtig einordnen und ihnen die Bedeutung geben, die sie haben, du kannst also zB. Erkennen, dass die Wut in der Kindheit wichtig war und dort den richtigen Platz hatte, dass sie aber heute am Arbeitsplatz nicht das angemessene Verhalten ist, um Deine Probleme zu lösen. Mit deinem Willen, also durch die Funktion des Frontallappens, kannst Du dann entscheiden, diese Emotion zu transformieren und neu zu handeln. Um aber dieses neue Handeln zu etablieren, muss auch dieses erstmal willentlich sehr oft und über einen längeren Zeitraum auszuführen, damit es mit der Zeit zur Gewohnheit wird. Das neue Handeln führt also zu neuen Emotionen, diese neuen Emotionen werden im limbischen System zur Gewohnheit. So kannst Du Dich verändern. Die Wissenschaft und auch die yogische Philosophie gehen davon aus, dass Dein Gehirn ungefähr 40 Tage benötigt, um ein altes Verhalten zu überwinden. Um neue Muster aufzubauen braucht es sogar noch länger, ca. 90 Tage. Um diese neue Gewohnheit tatsächlich in Deiner Psyche zu verankern braucht es sogar 120 Tage. Und wenn Du Meister einer Handlung werden möchtest, dauert es 1000 Tage!

 

Es ist also so wichtig, unsere Gewohnheiten zu überprüfen, weil sie es sind, die unser Handeln, unsere Persönlichkeit und unsere Psyche bestimmen. Wenn Du tiefer in dieses Thema eintauchen möchtest, dann hör dir mal Dr. Joe Dispenza an oder lies eines seiner Bücher. Er erklärt sehr genau, wie Gewohnheiten verändert werden können. 

Aber auch im Kundalini Yoga arbeiten wir sehr stark an den einzelnen Gehirnarealen, um negative Strukturen der Persönlichkeit zu verändern. Wir arbeiten z.B. gezielt am Frontallappen, an der grauen Substand des Gehirns oder an unserem Angstzentrum (dem Hippocampus). Das sind äußerst effektive Meditationen, die du für 40, 90 oder 120 Tage täglich praktizieren kannst, um ganz gezielt Emotionen und Dein Denken und Handeln zu verändern. Und das finde ich so super! Du musst also nicht mehr die alte Leier abspielen von „ich bin eben so, weil meine Eltern so waren“ sondern Du kannst erkennen, dass Du Dein Leben verändern kannst, dass Du Dein inneres Erleben verändern kannst. Ich sage nicht, dass das leicht ist. Jeder der schonmal probiert hat, ohne Zucker zu leben oder mit dem Rauchen aufzuhören, weiß wovon hier die Rede ist. Die erste Zeit ist hart und erfordert jeden Tag die gleiche Entscheidung: Ja ich will damit aufhören. 

Und weil das so schwer ist, unterstützen wir im Yoga diesen Prozess mit ganz bestimmten Übungen und Meditationen, die z.B. Deinen Nabel stärken, um Dein Durchhaltevermögen aufzubauen, Deinen Willen und Deine Power zu stärken. 

 

Ich will das nochmal zusammenfassen: der Instinkt in uns ist zwar wichtig, aber sollte nur die Bedeutung haben, die nötig ist, um wirkliche Gefahren zu erkennen. Denn der Instinkt hält uns prinzipiell in unserer Entwicklung zurück, er ist nicht auf persönliches Wachstum ausgelegt, er ist nur auf das eigene Wohlergehen bedacht. Und er ist kurzfristig zielorientiert. Also z.B. bevorzugt er das gute Gefühl, das kurzfristig entsteht, wenn wir aufgrund unserer Angst, eine unangenehme Situation meiden. Er berechnet aber nicht mit ein, dass der ungelöste Konflikt weiter schwelen und uns irgendwann unweigerlich einholen und mit unseren nicht verarbeiteten Emotionen konfrontieren wird.

Der Neokortex, das neue Gehirn, gibt uns dagegen die Chance zu Wachstum, es lässt uns zur großartigsten Version unseres Selbst erblühen und es lässt uns glz. das höchste Wohl aller sowie auch die Konsequenzen im Blick haben. Es ist der Teil in uns, der unsere Intuition zum Vorschein bringt. Während der Instinkt uns begrenzt und darauf bedacht ist, das Schlimmste im Leben zu verhindern, ist die Intuition darauf ausgelegt, das Beste in uns zum Vorschein zu bringen und dafür auch kurzfristige Nachteile für uns in Kauf zu nehmen. Wir sind durch diese Gehirnleistungen also in der Lage, langfristige Ziele zu verfolgen, also beispielsweise auf das kurzfristige Vergnügen eines Schokoriegels zu verzichten, weil wir langfristig gesund bleiben oder abnehmen möchten. Oder wir sind in der Lage auf das kurzfristige Vergnügen einer Feierabendserie zu verzichten, um stattdessen zu meditieren und dadurch unser Leben viel nachhaltiger zu verändern. 

Das sogenannte alte Gehirn können wir also eher mit unserem Ego in Verbindung bringen. Das neuere Gehirn, speziell der Frontallappen, entwickelt unser wahres SELBST und unsere Intuition und spirituelle Anbindung und Wahrnehmung. 

 

Ich möchte Dich mal zu einem kleinen Experiment einladen, indem Du dir folgende Fragen stellst:

„Fühlt sich mein Leben wie ein ständiger Kampf an?“

„Fühle ich mich ständig durch meine Angst begrenzt?“

„Verstricke ich mich oft in meinen Emotionen und Ängsten?“

„Fällt es mir schwer, mich in andere einzufühlen und für das Gemeinwohl auf etwas zu verzichten, was mir eigene Vorteile bringen würde?“

Dann spielt Dein altes Gehirn vermutlich eine höhere Rolle in Deinem Leben.

 

Oder

„Fällt es mir leicht, meine Gewohnheiten zu verändern und willentlich Entscheidungen zu treffen?“

„Nutze ich meinen Verstand, um sachlich und menschlich Herausforderungen zu lösen?“

„Habe ich in Konflikten die Bedürfnisse und Gefühle aller im Blick, kann diese wahrnehmen und benennen?“
„Bin ich in der Lage, neues aus mir heraus zu kreieren, neu zu denken und meine musische Seite zu leben?“

„Bin ich bereit und in der Lage, den wahren Grund meiner Emotionen zu entdecken und zu verändern?“

Wenn Du diese Fragen mit Ja beantwortet hast, dann ist Dein neues Gehirn bereits funktionsfähig und aktiv! 

 

Bitte stelle Dir diese Fragen ohne Bewertung. Als Randbemerkung möchte ich dir sagen, dass die Kunst des neutralen Denkens und Betrachtens übrigens auch eine Leistung des Neokortex, des neueren Gehirns ist. 

 

Also ganz wichtig: Unser Gehirn bleibt bis ins hohe Alter formbar und Du hast jederzeit die Chance, es zum positiven zu verändern und Dein neueres Gehirn auszubauen. Durch regelmäßige Meditation bspw. Kannst Du Deinen Frontallappen aufbauen. Auch indem Du mal mit kleinen Gewohnheitsveränderungen anfängst, trainierst Du diesen Teil deines Gehirns. Vielleicht magst Du Dich hiervon inspirieren lassen und sagst jetzt: ja ich möchte eine schlechte Angewohnheit verändern. Und da kannst Du mit was ganz kleinem anfangen, z.B. ein Glas Wasser am Tag trinken anstatt die 3. Tasse Kaffee. Oder vielleicht hast Du die Angewohnheit, dich selbst klein zu machen, zu kritisieren. Dann könntest du dir vornehmen, diesen einen Satz durch einen neuen zu ersetzen. Immer wenn Du dich also dabei ertappst, wie du schlecht von dir denkst, setzt Du diesem Satz einen neuen gegenüber z.B. „Ich bin großartig“ oder „Ich bin die beste Version meines Selbst.“ Mache dies mal für 40 Tage und schau was passiert. Du wirst feststellen, dass der Satz, der zuerst ungewohnt und komisch klingt, sich nach diesem Zeitraum schon ganz natürlich anfühlt und Du Dich innerlich aufrichtest und größer wirst, wenn Du an ihn denkst. Genau so kannst Du Dein Gehirn verändern und genau so kannst du Dir die Wirklichkeit erschaffen, die Deiner besten Version deines Selbst entspricht. 

Neue Gewohnheiten erschaffen neue Emotionen und neue Emotionen erschaffen ein neues Selbst. 
Du möchtest wissen wie das geht? Lass Dich persönlich von mir begleiten.

 

Meditation kann Dein Gehirn verändern. Mehr dazu in diesem Blog-Artikel.

 

Bildquelle Gehirn: John Hain, Pixabay

 

 

 

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